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"Gute Zeiten, schlechte Zeiten" - Ein Zeitungsbericht über Markus Land

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Schwere Zeiten, gute Zeiten

Spastiker Markus Land startet am Sonntag beim Bitburger Stadtlauf

 

BITBURG. (teu) Markus Lands Prognose als Kind war niederschmetternd: Irgendwann werde er auf den Rollstuhl angewiesen sein, prophezeiten die Ärzte. Am Sonntag läuft der Spastiker beim Bitburger Stadtlauf.

Was sind schon fünf Kilometer? 5000 Meter, eine relativ kurze Distanz für trainierte Läufer, an deren Ende aber die Erfüllung eines Traums stehen kann. Wie bei Dieter Baumann bei seinem Olympiasieg 1992 in Barcelona und bei Markus Land. Im Juni lief der 28-Jährige zum ersten Mal beim Oberweiser Volkslauf mit. Bisher hatte er immer nur zugeschaut und mitorganisiert. Nun war er mittendrin in der Läufermasse. "Das war für mich immer ein Traum", sagt Markus Land über die 28 Minuten und 39 Sekunden.

Ein Traum trotz eines Sturzes kurz vor dem Ziel. Das könne halt passieren, wenn er sich nicht richtig konzentriere, sagt Markus Land. Er freut sich, dass er nun schon einige Male mit vielen anderen Läufern mitrennen konnte, auch wenn er es schwerer hat, als die meisten.

"Fünf Kilometer sind für Markus wie ein Halbmarathon", versucht Physiotherapeut Peter de Winkel die Belastung zu erklären. Markus Land ist seit Geburt Spastiker. Die Muskelspannung ist erhöht, die Koordination funktioniert nicht so, wie es sein sollte. Dadurch sehen Markus Lands Bewegungen unrund, eckig aus. Cerebralparese nennt sich die Erkrankung, die durch eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns verursacht wird.

Markus Land hat gelernt mit seiner Behinderung zu leben. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Wie vor einigen Jahren: Er hatte sich mit einer jungen Frau angefreundet. Doch irgendwann sagte diese ihm, dass sie wegen seiner Behinderung nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle. Das sei ein Schlag ins Gesicht gewesen. Nein! Schlimmer! Markus Land setzte sich ins Auto, fuhr nach Trier zum Arzt. Er wollte wissen, ob man noch etwas tun könne, damit er mit seinem Handicap besser leben, sich besser bewegen könne.

Eine lange Reise begann: Sie endete bei Dr. Leonhard Döberlein. Der Spezialist von der Universitätsklinik Heidelberg operierte Markus Land, ersetzte verschiedene Muskeln im Oberschenkel und führte eine Fußkorrektur durch. Eine Operation, die erst wenige Male durchgeführt wurde. Markus Land musste ein Viertel Jahr in der Klinik verbringen, sich durch die Rehabilitation kämpfen.

Mit Erfolg! Auf Anregung von Peter de Winkel, begann Markus Land zu laufen. Wenn er regelmäßig dehne, bestehe keine Gefahr der Überlastung, bestätigt Dr. Döberlein, dass sein ehemaliger Patient getrost seinem neuen Hobby frönen dürfe.

"Ich war immer schon ein begeisterter Sportler", erzählt er. So weit es ging, trainierte er bei den Fußballern des SV Oberweis mit. Mittlerweile ist er Vorstandsmitglied in seinem Heimatverein. Doch der Sport ist für Markus Land mehr als ein Hobby. Es bringt ihm die Bestätigung, die jeder Mensch braucht. Er empfiehlt jedem, sich seines Handicap anzunehmen, sich nicht vorzeitig damit abzufinden. "Ich hatte schwere Zeiten, aber jetzt auch gute", sagt Markus Land über seine Entwicklung.

Die soll sportlich noch weiter gehen. Markus Land ist ehrgeizig. Beim Bitburger Stadtlauf soll über fünf Kilometer noch einmal eine Zeit unter 30 Minuten herauskommen. "Ich habe mir ziemlich was vorgenommen. Es gibt eine Wertung für körperbehinderte Teilnehmer", erklärt Markus Land sein nächstes Etappenziel am Sonntagvormittag.

Erschienen in: "Trierischer Volksfreund", Ausgabe vom 01.09.2004. Regionale Tageszeitung für die Region Trier, Mosel, Eifel