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Diagnose

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Diagnosen und Befunde im Rahmen cerebraler Bewegungsstörungen

Diagnose Cerebralparese und Klumpfuß
 


von Petra & Lizzy am 12.Feb.2003 20:53

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Tochter (sie ist jetzt 1 Jahr und 9 Monate alt) hat einen angeborenen Klumpfuß (rechts).

Dieser wurde nach der Geburt mit Gips und Schienen ( für ca. 3 Monate) und anschließend mit Krankengymnastik ( Dehn – und Wickeltechnik nach Zukunft-Huber und Vojta ) behandelt.

Der Fuß hat sich durch die intensive Therapie ( täglich KG-Praxis und Übungen zu Hause) stetig verbessert. Die Ferse ist bis auf wenige Millimeter unten.

In Abständen durchgeführte Konsultationen beim evtl. Operateur ( einschließlich Röntgen ) wurden jedesmal dahingehend abgeschlossen , daß mit einer OP noch abgewartet werden solle . Vor allem, um zu beobachten , wie sich der Fuß mit dem Laufbeginn und der damit verbundenen Belastung ausrichten werde.

Seit September 2002 läuft meine Tochter nun frei und ausdauernd, so daß wir für den Februar 2003 einen abschließenden Termin bezüglich OP vereinbart hatten.

Unsere Krankengymnastin ist eine sehr erfahrene und kompetente Therapeutin. Sie riet mir mit Blick auf bestimmte Besonderheiten die sie bei meiner Tochter im Laufe der Behandlung erkannt hat , meine Tochter vor einer OP-Entscheidung auf cerebrale Bewegungsstörungen untersuchen zu lassen ( sie geht im schlimmsten Fall von leichten Störungen aus).

Nun habe ich einen Termin beim Neurologen hier am Ort ausgemacht . Ich habe aber leider von betroffenen Eltern erfahren, daß eine sichere Diagnose in "leichten Fällen" schwerer zu stellen ist.

Nun meine Fragen:

1) Kann jeder Neurologe eine entsprechende Diagnose stellen oder ist es besser , einen Spezialisten aufzusuchen?

2) Wenn ein Spezialist aus Ihrer Sicht erforderlich ist, wo könnte ich einen finden?

3) Ich möchte meiner Tochter unnötige Untersuchungen ersparen. Daher meine Frage : Wie gehen sie bei entsprechender Aufgabenstellung vor ? Ich habe derzeit überhaupt keine Vorstellung ,was zur sicheren Diagnose notwendig ist,was nicht. Nach gesammelten Erfahrungen bei der bisherigen Behandlung meiner Tochter verlasse ich mich nicht mehr "blind" auf daß , was mir gesagt wird, sondern möchte wissen, worüber ich zum Wohl meiner Tochter entscheiden muß.

4)Was bedeutet das Vorliegen cerebraler Bewegungsstörungen für die weitere Behandlung des KF?

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Zeit und Mühe.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Bock

RE: Diagnose Cerebralparese und KF
 


von Dr. med. Rauterberg-Ruland, Universitaetskinderklinik Heidelberg am 17.Feb.2003 18:38

Sehr geehrte Frau Bock,
gerne beantworte ich Ihre Fragen zur Diagnostik einer cerebralen Bewegungsstörung. Es ist richtig, daß die Unterscheidung zwischen "noch normal" und "schon pathologisch" um so schwieriger ist, je leichter die Störung ausgeprägt ist. Eine 100%ige Sicherheit gibt es in solchen Fällen manchmal nicht, was insofern nicht so schlimm ist, als bei so wenig bedeutsamer Störung auch keine gravierende therapeutische Entscheidung davon abhängt.
zu 1.) Es ist ratsam, einen Kinderneurologen aufzusuchen, weil die neurologische Untersuchung von Kleinkindern entsprechende Erfahrung voraussetzt.
Zu 2) Fragen Sie Ihren Kinderarzt .Eine Möglichkeit wäre das nächstgelegene Sozialpädiatrische Zentrum.
Zu 3) Die Feststellung einer cerebralen Bewegungsstörung beruht in erster Linie auf einer klinischen Untersuchung des Kindes. Die spontanen Haltungs-und Bewegungsmuster werden beurteilt. Die Muskelspannung und die Muskeleigenreflexe geben zusätzliche Mosaiksteine im Gesamtbild ab. Das allles ist für die kleinen Pat. nicht belastend oder schmerzhaft. Je nach Befund können weitere, dann apparative Untersuchungen sinnvoll sein.
4) An der Behandlung des Klumpfußes ändert sich nichts wesentliches. Unabhängig von der Verursachung steht die symptomatische Behandlung mit Krakengymnastik und Dehnungsübungen im Vordergrund, wenn das nicht ausreicht, die OP.
Diese Entscheidung trifft der Orthopäde.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Dr. I. Rauterberg-R

RE: Diagnose Cerebralparese und KF
 


von Dr. med. L. Döderlein am 28.Feb.2003 12:41

Bezugnehmend auf Ihre Frage kann ich Ihnen mitteilen, dass leider nicht jeder Neurologe die Diagnose stellen kann.

Sie sollten sich an einen erfahrenen Kinderneurologen wenden, der entsprechende Patienten kennt. Grundsätzlich besteht aber auch bei einer evtl. Diagnose die Notwendigkeit einer Klumpfußkorrektur, wenn der Fuß nicht ausreichend korrigierbar ist.

Die Diagnose selbst heißt nicht automatisch, dass Ihr Kind Therapie benötigt. Sie heißt nur, dass man es kontrollieren sollte.

Die Untersuchung, die eine entsprechende Cerebralparese ausschließt oder bestätigt, ist zunächst eine rein klinische. Unter Umständen wird man bei Unklarheiten und beim Verdacht noch zusätzliche EMG-, d. h. Muskel- und Nervenleitungsuntersuchungen und ggf. auch eine Kernspintomografie des Gehirns durchführen. All das ist aber nicht aufwändig und dient eigentlich nur einer vermehrten Sicherheit.

Für die weitere Behandlung des Klumpfußes bedeutet auch eine evtl. Diagnose einer zerebralen Bewegungsstörung nur, dass man neben der Klumpfußtherapie eben auch auf die motorische Haltungs- und Bewegungsentwicklung achten sollte.

Der Klumpfuß selbst, wenn es ein angeborener Klumpfuß ist, hat nichts mit der Zerebralparese zu tun, sondern kommt, wenn überhaupt nur zufällig zusammen mit dieser Diagnose vor.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

Schmerzen im Bein bei HEMIPARESE
 


von Mirjam Wittstock am 28.Jan.2002 20:40

Meine tochter (4 1/2) hat eine spastische Hemiparese links. sie läuft seit gut 2 Jahren und ist zur Zeit mit Einlagen versorgt. Seit einigen Monaten klagt sie oft über Schmerzen im linken Bein (nicht am Fuß).Sie äußer das zum Teil, wenn sie sich gerade viel bewegt hat, z.T. aber auch mitten in der nacht nach mehrstündiger Ruhezeit. Alle Ärzte und Therapeuten, die ich bisher gefragt habe, können sich das nicht erklären. Haben Sie dazu eine Idee, wo die Ursache liegt und wie wir ihr helfen können?
Danke im Voraus für ihre mühe und schöne grüße,
M. Wittstock

RE: Schmerzen im Bein bei HEMIPARESE
 


von Dr. med. Döderlein, Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II am 28.Jan.2002 20:46


Sehr geehrte Familie Wittstock,

im Allgemeinen haben Kinder mit einer Hemiparese links keine Schmerzen, so dass ich in jedem Falle eine weitere Abklärung des Hüft- und Kniegelenks empfehlen würde. Grundsätzlich ist natürlich durch das asymmetrische Gehverhalten und durch den vermutlich auch bestehenden Spitzfuß eine ungleiche Belastung des linken Beines möglich, die aber in der Regel nicht zu solchen Beschwerden führt.

Ich würde aus diesem Grunde empfehlen, zunächst wie gesagt, die Hüft- und Kniegelenkssituation abzuklären (auch durch Röntgen) und die Spastik im Bereich des Unterschenkels (zur Behandlung des spastischen Spitzfußes) zu behandeln. Sollte sich keine Ursache von Seiten des Hüft- und Kniegelenkes finden lassen, wäre ggf. eine symptomatische Behandlung mit lokalen Wärmebehandlungen und gelegentlichen Schmerzmedikamenten sinnvoll.

Wenn sich die Beschwerden auch dadurch nach etwa 6- bis 8 Wochen nicht zurückbilden, wäre eine nochmalige spezielle Vorstellung bei einem spezialisierten Orthopäden anzuraten.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Döderlein
Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II

Cerebralparese?
 


von Stefanie Breckheimer am 31.Jan.2003 09:06

Sehr geehrter Herr Dr. Doederlein,

ich muss vorwegschicken, dass ich nicht mit Sicherheit behaupten kann, dass bei mir eine Cerebralparese vorliegt, (auf die "Idee" kam ich durch das Internet und Bemerkungen verschiedener Ärzte und falls diese "Diagnose" stimmt, dann wohl auch nur in sehr abgeschwächter Form). Ich bin 32 Jahre alt, lebe in Düsseldorf und zu meiner Kinderzeit wurde keine konkrete Diagnose gestellt. Dort liegt auch bereits der Haken: meine Probleme wie die verkürzte Achillessehne im linken Fuß und das Ungleichgewicht zwischen der linken und der rechten Körperhälfte wurden nie wirklich behandelt. Lediglich meine Migräneanfälle im Kindes- und Jungendalter wurden therapiert (Die Ärzte sagten damals, dass dies wohl eine Folge dessen ist, dass ich eine Frühgeburt war und eine Gehirnhälfte nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde). Wenn ich heute zu einem Orthopäden gehe, drückt er sich verständlicherweise vor einer (Spät)-Diagnose oder auch einer Behandlung. Meine Frage ist: Gibt es wirkungsvolle Diagnose- bzw. Behandlungsmöglichkeiten auch im Erwachsenenalter? Wäre eine Achilles-Sehnenverlängerung sinnvoll, obwohl mein linkes Bein extrem unterentwickelt ist im Vergleich zum rechten und ich befürchte, dass ein längeres Ruhigstellen des Beins dieses Problem nur noch vergrößern würde? Und falls ja, wo? Ich musste bereits schon einmal feststellen, dass ich mich mit dieser Sache wohl nur an Kinderärzte wenden kann, da man heutzutage wohl davon ausgeht, dass diese Probleme regulär bereits im Kindesalter in Angriff genommen werden und im Erwachsenenalter weitestgehend behoben sind, daher befürchte ich, dass Sie mir nicht unbedingt weiter helfen können. Über eine Antwort bzw. Hinweise Ihrerseits würde ich mich dennoch freuen.

Mit freundlichen Grüßen


Stefanie Breckheimer

RE: Cerebralparese?
 


von Dr. med. L. Döderlein am 28.Feb.2003 12:30

Liebe Stefanie,

Ihrer Beschreibung nach besteht mit gewisser Wahrscheinlichkeit eine sogenannte spastische Halbseitenlähmung, die typischerweise mit verkürzter Achillessehne und Ungleichgewicht beider Körperhälften einhergeht. Bzgl. Ihrer Frage einer Behandlung im Erwachsenenalter muß ich Ihnen mitteilen, dass die Notwendigkeit einer Behandlung sich aus Ihren Beschwerden ableitet. Es ist typisch, dass ein Bein und besonders der Unterschenkel bei einem jahrzehntelang bestandenen Spitzfuß verschmächtigt ist. Eine Achillessehnenverlängerung ist dann sinnvoll, wenn Sie häufig mit dem Fuß umknicken, wenn Sie Beschwerden im Bereich der Zehenballen und des Vorfußes haben und auch Probleme mit den Schuhen.

Häufig besteht aber auch eine Beinverkürzung, so dass man die Achillessehnenverlängerung sorgfältig dosieren muß.

Wenn aber entsprechende geschilderte Beschwerden vorliegen, dann kann die Achillessehnenverlängerung durchaus zu einer erheblichen Gangverbesserung führen, die sich auch auf die übergeordneten Gelenke auswirkt. Vielleicht stellen Sie sich gelegentlich in unserer Ambulanz vor, dann könnten wir auch über die Möglichkeit einer sogenannten Ganganalyse sprechen, mit der wir die Lähmung etwas besser beurteilen können.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

ICP-Anamnese bei 18 Monate altem Kind?
 


von Norbert Scholz am 10.Sept.2002 20:27

Wir machen uns Sorgen, da die grobmotorische Entwicklung unseres Sohnes (heute genau 18 Monate alt) eine Besonderheit aufweist, die möglicherweise auf eine ICP hindeutet. Die Besonderheit liegt darin, daß er ausschließlich auf Zehenspitzen steht bzw. versucht zu gehen. Seine grobmotorische Entwicklung war von Anfang an verzögert, z. B. begann er im Alter von ca. 14 Monaten zu krabbeln. Ansonsten weist er unserer Meinung keine Besonderheiten (sprachlich, geistig, etc.) auf.
Ist eine Anamnese in diesem Alter bzw. in diesem Entwicklungsstadium (er läuft noch
nicht) überhaupt möglich und/oder müssen andere Faktoren dazu noch vorliegen?
Gibt es eine Beschreibung der möglichen Symptome einer ICP?

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Scholz

RE: ICP-Anamnese bei 18 Monate altem Kind?
 


von Dr. med. Döderlein am 16.Sept.2002 12:17

Sehr geehrter Herr Scholz,

ohne genaue Kenntnis des Kindes ist natürlich keine exakte Stellungnahme möglich. Grundsätzlich zeigt aber die Tatsache, dass der Junge mit 18 Monaten auf Zehenspitzen steht, bzw. versucht zu gehen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine infantile Zerebralparese handelt, sondern dass ein weitaus harmloserer, sogenannter habitueller Zehenspitzengang vorliegt, der bedeutet, dass Kinder beim Steh- und Gehbeginn überwiegend oder ausschließlich auf den Zehenspitzen laufen.

Typische weitere Symptome der infantilen Zerebralparese wären:
- eine erhöhte Muskelanspannung,
- ein beeinträchtigtes Gleichgewicht und
- eine deutlich verzögerte (weitaus stärker als im vorliegenden Fall)motorische Entwicklung.

Die sichere Diagnose läßt sich aber nur von kompetenter Seite durch die Untersuchung bei einem erfahrenen Neuropädiater stellen.

Ein habitueller Zehengang läßt sich zunächst krankengymnastisch und, wenn er länger als 6 Monate fortbesteht, mit Gipsen oder Botulinumtoxin-Inj. behandeln. Auch diesbezgl. würde ich Sie bitten, einen kompetenten Kinderarzt aufzusuchen.

Mit freundlichen Grüssen
bin ich Ihr
Dr. med. Döderlein

HSMN Typ1
 


von Andreas Wagner am 27.Aug.2003 10:25

Guten Tag Herr Dr. med. Döderlein,
1991 wurde von Ihnen bei mir eine Ballenhohlfuß-Korrektur durchgeführt. Bei einen Kontrolltermin 1997, sprachen wir über das Vorgehen beim vererben der HMSN an meine Nachkommen. Meine Tochter ist jetzt 5Jahre alt und zeigt erste Auffälligkeiten beim Laufen.
Wie kann ich feststellen, ob sie auch an HSMN Typ1 leitet? Wie soll ich weiter verfahren?
M.f.G. Andreas Wagner

RE: HSMN Typ1
 


von Dr. med. Döderlein, Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II am 23.Sept.2003 14:15

Sehr geehrter Herr Wagner,

vielen Dank für Ihre Mail. Prinzipiell wäre die Vorstellung bei einem Kinderneurologen, am besten im Rahmen einer Universitäts-klinik, um eine genaue Diagnostik zu erhalten. Die größte Erfahrung diesbezüglich hat Herr Kollege Korinthenberg als Leiter der kinderneurologischen Abteilung der Univ.-Klinik in Freiburg im Breisgau.

Ich würde Ihnen, wenn dies machbar ist empfehlen, sich dort am besten einen Termin geben zu lassen. Alternativ würde ich Ihnen vorschlagen, dass Sie sich mit Ihrer Tochter einmal bei uns sehen lassen und ich dann an Hand des Befundes weitere Ratschläge für die Untersuchung beim Kinderarzt geben kann.

Mit freundlichen Grüssen
bin ich Ihr

Dr. med. Leonhard Döderlein

Halbseitenlähmung
 


von Doris Coroniti am 2.Jul.2004 23:19

Hallo liebes Ärzteteam,

Wir brauchen den Rat eines erfahrenen Ärzteteams. Wir sind Adoptionsbewerber in Thailand, und haben einen KINDERVORSCHLAG für ein special need child mit der Diagnose Halbseitenlähmung (Cerebralparese) links, mehr beinbetont. Die Kleine ist jetzt 3 Jahre. Sie trägt eine Beinorthese und tritt links auf Zehenspitzen auf. Sprachlich ist sie auch im Rückstand und kann nur wenige Worte wieder geben.
Wir haben nun unsere Bedenken hinsichtlich ihrer geistigen Entwicklung.
Wir können nicht einschätzen, was auf uns zukommen könnte. Vielleicht können sie uns zu dem Krankheitsbild einige Zeilen schreiben.
Wie kann die Zukunft für das Kind ausschauen was für Möglichkeiten gibt es, kann man eine geistige Behinderung mit dieser Diagnose ausschliesen ???

RE: Halbseitenlähmung
 


von Dr. med. Döderlein, Leitender Oberarzt am 9.Jul.2004 11:24

Sehr geehrte Frau Coroniti,

vielen Dank für Ihre beiden Mails. Grundsätzlich besteht bei Kindern mit einer spastischen Halbseitenlähmung durchaus eine relativ günstige Prognose hinsichtlich der weiteren motorischen Entwicklung. Allerdings kann keinesfalls davon ausgegangen werden, daß sich das Kind völlig normal entwickelt.

Bezüglich der motorischen Entwicklung ist orthopädischerseits ein frühzeitiges zunächst konservatives Behandeln der Spitzfußstellung notwendig, um die möglichst symmetrische Gehfähigkeit zu ermöglichen. Gleichzeitig ist selbstverständlich auch eine regelmäßige Beübung der Hand, in diesem Fall der linken Hand, durch Ergotherapie notwendig.

In der Regel läßt sich auch durch das Ausmaß der Behinderung der gleichseitigen Hand abschätzen, wie gut das Mädchen von ihrer geistigen Entwicklung ist. Insbesondere, wenn gleichzeitig auch ein Anfallsleiden besteht, wie dies bei Patienten mit Halbseitenlähmung nicht selten ist, muß mit einer gewissen Einschränkung der geistigen Entwicklung gerechnet werden. Eine exakte Beurteilung läßt sich aber nur durch eine gründliche neuro-pädiatrische Untersuchung geben.

Viele Grüße, Ihr
Dr. med. Döderlein

ICP, Diparese
 


von Familie Felix am 21.May.2004 13:05

Guten Tag, bei meinem Sohn wurde erst spät (mit 6 Monaten) eine ICP Triparese diagnostiziert, obwohl die eindeutigen Symptome (häufiges Zittern in den Beinen) seit der 6 Lebenswoche da waren (haben einen Arztwechsel veranlaßt). Nun soll er eine Diparese haben, obwohl die Spastik in den Armen noch da sind. Es wurde bisher keinerlei weiterführende Diagnostik unternommen.Seit einigen Wochen hat er ein Kopfschütteln, wir hielten es erst für eine Marotte, leider macht er das auch im Schlaf. Von einer Kinderkrankenschwester wurde uns nun gesagt, das sei ein Zeichen für eine schwere Störrung?! Nun sind wir extrem verunsichert, und fragen uns, ob das nicht auch mit der ICP zusammen hängen kann?
als Therapie wird er von uns bis zu 4-5 tgl nach Voijta beturnt.Er ist jetzt unkorrigiert 11 Monate alt (31+2 SSW), hat noch keine ausreichende Kopfkontrolle, kann nicht sitzen, Krabbeln usw.

RE: ICP, Diparese
 


von Frau Dr. med. I. Rauterberg-Ruland am 7.Jun.2004 23:59

Sehr geehrte Familie Felix,
gerne beantworte ich Ihre Frage vom 21.5.04. Ich bin erst heute aus dem Urlaub zurückgekehrt, sodaß Sie leider etwas darauf warten mußten.
Zwischen der Diagnose Triparese und Diparese besteht kein wesentlicher Unterschied. Es ist vielmerh nur ein unterschiedlicher Sprachgebrauch. Diparese bedeutet, daß die Beine von der Spastik stärker betroffen sind als die Arme. Bei einer Triparese wären beide Beine und ein Arm betroffen.(Tri heißt drei)
Da Ihr Sohn mit 31 + 2 SSW frühgeboren war, liegt als Ursache der Störung eine Hirnschädigung nahe, die entweder vor der Geburt oder um den Geburtstermin entstanden ist. Zur Sicherung der Diagnose wäre Eine MRT-Untersuchung des Schädels (Kerspintomographie) sinnvoll.
Soweit ich aus Ihrer Schilderung entnehmen kann, handelt es sich bei dem Kopfschütteln um eine sogenannte Jaktatio capitis, ein Phänomen, das man sowohl bei geistig behinderten als auch ganz gesunden Kindern beobachtet, und das an sich keine Krankheit darstellt. Zeigen sie am besten das Phänomen Ihrem Kinderarzt, zB. als Videoaufzeichnung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. I.Rauterberg-Ruland