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Physiotherapie

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Fragen und Antworten zur Physiotherapie

Hemiplegie
 


von Meggy Gödert am 28.May.2003 13:06

Hallo Frau Hardt.
Unser Sohn Mike (5) leidet unter einer spastischen Hemiplegie rechts. Sein Gangbild hat sich besser entwickelt als gedacht, weil daran sehr intensiv gearbeitet wird. Was uns jetzt Sorgen macht ist die Feinmotorik seiner Hand. Er schreibt und zeichnet nur mit links. Dies hat er sich so angeeignet, da er damit rechts überhaupt nicht klar kommt. Meine Frage an Sie: Gibt es eine spezielle Therapie, oder ein besonderes Training, das die Feinmotorik der Hand verbessern könnte? Ich bedanke mich im Vorraus für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen. Meggy Gödert u. Mike

RE: Hemiplegie
 


von Inge Hardt, Physiotherapeutin, Sektion Cerebralparese, Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg am 14.Jul.2003 22:08

Sehr geehrte Frau Gödert,
liegt es eher am Tonus (der Spastik), daß Mike
die Hand nicht einsetzt oder ist es eher ein
Problem der Wahrnehmung? Wenn Sie durch
Krankengymnastik nicht weiterkommen und insbesondere, wenn dort
der Schwerpunkt mehr auf der Fortbewegung liegt,
ist mein erster Gedanke, dass man es zusätzlich mit einer kompetenten, d.h.
entsprechend spezialisierten Ergotherapie versuchen sollte.
Mit freundlichen Grüßen,
I. Hardt

RE: Hemiplegie
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 30.Jun.2003 13:21

Sehr geehrte Frau Gödert,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Feinmotorik der Hand ist bei einer Hemiplegie in der Regel beeinträchtigt, so ist die gegenseitige Hand immer die dominierende. Eine spezielle Therapie mit Ausnahme der Ergotherapie ist nicht bekannt, Versuche mit Lycra Strümpfen oder auch Botulinumtoxin können eine vorübergehende leichte Verbesserung erreichen.

Wenn die Hand in einer Fehlstellung steht, sind auch Schienen hilfreich, ggf. kann bei gutem Einsatz der Hand auch durch eine kleine Operation, durch Umverteilung der Muskelkraft nach exakter präoperativer Planung eine Verbesserung erreicht werden.

Viele Grüsse
Dr. med. Döderlein

spastisch-dyskinetische Tetraparese
 


von Brandt am 8.Mar.2004 20:40

Werte Damen und Herren ,unser Pflegekind (2 jahre )(Alkoholembryopathie )leidet unter oben genanter Behinderung. Seine mentalen Entwicklungsleistungen entsprechen max.einem alter von 8 Monaten. er ist ein sehr waches ,neugieriges Kind.Was können wir neben voitatherapie und frühförderung noch tun ?
sind für jeden Rat dankbar.
MfG
M.Brandt

RE: spastisch-dyskinetische Tetraparese
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruland am 9.Mar.2004 17:33

Sehr geehrte Familie Brand,
bei der Diagnose spastisch–dyskinetische Tetraparese gehe ich davon aus, daß Ihr Pflegekind noch keine Möglichkeit der aktiven Fortbewegung und Aufrichtung hat. In dem Fall steht die Physiotherapie ganz im Vordergrund, um die Voraussetzungen für mehr Selbständigkeit zu schaffen. Die Vojta-Therapie kann oft mit Vorteil mit Übungen aus dem Bobath-Programm ergänzt werden. Bei einem mentalen Entwicklungsstand von etwa 8 Monaten ist die zusätzliche pädagogische Frühförderung als ganzheitlicher Behandlungsansatz optimal.
Später, und nach Maßgabe der motorischen Fähigkeiten kommt auch Ergotherapie in Betracht. Ich denke, zum jetzigen Zeitpunkt ist das Kind mit zwei Therapien und Fördermaßnahmen gut und ausreichend versorgt. Eine Überlastung muß vermieden werden.
Von vielen Kindern mit Mehrfachbehinderungen wird Musiktherapie sehr gut angenommen, weil sie offenbar tiefe emotionale Saiten anspricht. Allerdings besteht dafür keine Leistungspflicht der Kassen.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. I.Rauterberg-Ruland

Krankengymnastik Bobath / Voijta ?
 


von Familie Bruckmann am 17.Feb.2004 21:37

Hallo liebes Expertenteam,

unser Sohn Bo (30.10.01), Frühchen 30.SSW, 1500 g, hat eine ICP, wobei die Beine stärker betroffen sind als die Arme.

Feinmotorisch ist er supergut, geistig auch, (er spricht schon ganze Sätze). Er krabbelt, kann im Fersensitz sitzen, sein Rumpf (Hüfte) ist jedoch sehr instabil, Beine aber sehr beweglich (wenn er will).

KG bekommen er seit er ca. 8 Monate alt ist, erst Bobath, dann Voijta, zwischendurch wieder Bobath, usw.
Er schreit alles zusammen (fast immer), egal bei welcher Therapie.

Jetzt haben wir eine kleine Differenz mit unserer KG-Therapeutin, die ihn z.Zt. nach Voijta therapiert. Bei der KG läßt er das auch zu, aber zu Hause nicht. Dort schlägt er uns weg (ich habe kaum die Kraft ihn festzuhalen) oder wenn er die Egal-Minuten draufhat, dann liegt er nur schlaff rum und reagiert überhaupt nicht. Und ich bin hier nur der Laie, der dann an ihm "rumfummelt" um eine Reaktion auszulösen. Beim Wegschlagen kann ich ebenfalls die Griffe nicht richtig ausführen.

Unser Therapeutin ist der Meinung, dass wir dadurch müssen, denn alle anderen Therapien sind nicht so effektiv wie Voijta. Wenn wir uns dagegen entscheiden, dann brauchen wir auch gar nicht mehr zum turnen kommen.

Wir sind total überfordert. Wissen nicht mehr was wir machen sollen. Wollen natürlich auch nicht die Entwicklung von Bo verzögern, er macht eigentlich ganz gute Fortschritte.
Können Sie uns einen Rat geben ?

Noch zur Info:
Er bekommt 1x pro Woche Hippo-Therapie, 1x sind wir im Castillo Morales Centrum in Mülheim, 1x Frühförderung, 1x KG.

Vielen Dank für Ihre Mühe.

Familie Bruckmann aus Haan/Rhld.

RE: Krankengymnastik Bobath / Voijta ?
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 24.Mar.2004 08:56

Liebe Familie Bruckmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Krankengymnastik nach Vojta hat keinen Sinn, wenn sich das Kind zu stark wehrt. Es ist sicherlich nicht so, daß Sie hier "durch müssen", sondern ich würde in diesem Fall empfehlen, daß er die Therapie nach Bobath erhält, die Therapie nach Vojta ist sicherlich gleichwertig zur Therapie nach Bobath, so daß wir hier durchaus wählen können.

Wenn die Krankengymnastin Sie zwingen will, Vojta zu turnen, dann würde ich schleunigst die Krankengymnastin wechseln. Es gibt keine wissenschaftlich belegte Studie, die beweist, daß Vojta besser als Bobath ist.

Ich denke nun, daß Sie mit 2- bis 3 x Bobaththerapie wöchentlich ausreichend behandeln, und daß Sie vor allem nichts für Ihr Kind versäumen.

Viele Grüße, Ihr
Dr. med. Döderlein