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Orthesen

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Technische Fragen und Antworten zu Orthesen

Nancy Hilton ./. Jahrling
 


von Susanne Ganswind am 6.Aug.2003 22:59

Halle Herr Fuchs,

können Sie freundlicherweise einmal den Unterschied zwischen Jahrlingeinlagen und Nancy-Hilton-Einlagen bzw. Orthesen erklären? Jemand hat mir gesagt N.H. seien besser für Hemiparetiker geeignet. Stimmt das und wenn ja, warum?

Gruß
Susanne Ganswind

RE: Nancy Hilton ./. Jahrling
 


von Alfons Fuchs am 7.Aug.2003 21:22

Liebe Frau Ganswind,

diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Das Prinzip ist doch sehr
ähnlich, wenn man das Ganze nur auf die Einlagenversorgung beschränkt. Nancy
Hylton beschreibt ein sehr komplexes Versorgungskonzept beginnend mit einer
ganz einfachen Einlage, der so genannten "Pelite" über Einlagen nach
Gipsabdruck, knöchelübergreifende Versorgungen bis hin zu
Unterschenkelorthesen. Abhängig vom Bedarf der Unterstützung beim einzelnen
Kind.

Jahrling arbeitet so weit ich weiß nur mit Einlagen. Wenn das Sanitätshaus
vor Ort einige Daten und den Blaudruck eingibt und an die Fa. Jahrling
schickt werden dort die Einlagen CAD unterstützt gefräst. Vor Ort muß dann
aber noch die Anpassung vorgenommen werden. Man kann natürlich die Einlagen
auch direkt am Patienten aufbauen wie die "Pelites" nach Nancy Hylton. Die
Ergebnisse sind nach meiner Beobachtung sehr ähnlich. Auch die Philosophie
ähnelt sich. Die Vertreter der beiden "Schulen" können sich natürlich
trefflich über Einzelheiten streiten.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Nancy Hylton etwas differenzierter an
die Sache herangeht. Außerdem bieten die Möglichkeiten der
knöchelübergreifenden Orthese einen weiteren Horizont der Versorgung.

Viele Grüße
Alfons Fuchs

Nachtlagerungsschiene
 


von Susanne Ganswind am 16.Jun.2003 07:49

Hallo Herr Dr. Döderlein und Herr Fuchs,
mein Sohn Knickfuß mit Spitzneigung, hoher Tonus in den Waden bekommt soll eine neue Nachtlagerungsschiene bekommen. Was halten Sie für die am besten geeignete und warum?

Gruß
Susanne Ganswind

RE: Nachtlagerungsschiene
 


von Alfons Fuchs am 17.Jun.2003 16:50

Liebe Frau Ganswind!

Grundsätzlich sollte abgeklärt werden, ob die Behandlung des Spitzfußes
konservativ (Einlagen, Orthesen, Nachtschienen, Gipsredression),
medikamentös (Botulinum toxin), oder operativ erfolgen soll. Das hängt von
der Ausprägung des Spitzfußes ab. Operativ wird nur bei sehr rigiden
Spitzfüßen behandelt. Bei hohem Tonus der Wadenmuskulatur wird häufig eine
Kombinationstherapie angewandt: Temporäres Senken des Tonus durch Injektion
von Botulinum toxin in die Wade. Anschließend kann für 2x2 Wochen ein
Korrekturgips angelegt werden. Daran anschließend wird meist eine Dynamische
Knöchelorthese (propriozeptiv, Nancy Hylton) angelegt. Dies ist die
Maximaltherapie ohne OP. In vielen Fällen genügt auch Botox spritzen ohne
Gips oder Gips ohne Botox. Eine Orthese wird fast immer angelegt. Nur bei
schwacher Spitzfußtendenz reicht eine propriozeptive Einlage.

Ich bin nicht so begeistert von den gewöhnlichen Nachtlagerungsschalen. Die
meisten Modelle erreichen zwar eine 90° Winkel im Sprunggelenk; oft geht das
aber auf Kosten der Valgusstellung (Knickfuß) im Fersenbein. Dies wird ja
auch bei Fabian beobachtet. Sinnvoller erscheint mir eine propriozeptive
Unterschenkelorthese, die den Fuß zirkulär umfasst und das Fersenbein
kontrolliert. Um einen Spitzfuß nachts zu verhindern muss die Orthese bis
zur Mitte der Wade heraufreichen.

Häufig haben Hemipatienten keine Fußheber an der betroffenen Seite. In
diesem Fall fertigen wir dynamische Fußheberorthesen. Diese sind im Fußteil
wie eine propriozeptive (dynamische) Orthese gearbeitet und verfügen über
ein elastisches Unterschenkelteil wie bei einer konventionellen
Peronäusfeder.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine kurze knöchelübergreifende dynamische
Fußorthese für den Tag zu verwenden und an diese Orthese für nachts ein
Unterschenkelteil anzubringen. Dabei ist dann auch die zirkuläre Fußfassung
gewährleistet.

Wenn eine Einlagenversorgung ausreichend ist, sollte diese als
propriozeptive Einlage gefertigt sein. Unter Umständen in Verbindung mit
einem festen Schuh (z.B. "Stabilschuh" oder "Korsettschuh").

Generell ist es wichtig, dass der Orthopädietechniker Erfahrung in der
Behandlung von ICP Patienten hat.

Wenn man den Eindruck hat, dass Fabian mit Einlagen und Schuhen schlechter
läuft und steht als barfuss, dann sollte die Hilfsmittelversorgung dringend
überprüft werden. Die Einlagen sollten den Tonus senken und gleichzeitig das
Abknicken des Fersenbeins verhindern. Entweder sind die Einlagen nicht
fachgerecht gearbeitet, oder Fabian braucht eine stärkere Führung als
Einlagen bieten können.

Mit freundlichen Grüßen
Alfons Fuchs

Nancy-Hilton-Orthesen
 


von Cornelia Kern am 27.Nov.2002 16:00

Hallo,
meine Tochter soll neue Nancy-Hilton Orhtesen bekommen. Nun weiß meine Kinderärztin nicht was auf dem Rezept stehen soll, damit die Krankenkasse das genehmigt. Meines Wissens machen die bei Nancy-Hilton-Orthesen Theater bzw. man bekommt sie nicht mehr genehmigt.
Vielleicht können Sie mir einen Rat geben.
Vielen Dank
Cornelia Kern

RE: Nancy-Hilton-Orthesen
 


von Alfons Fuchs am 29.Nov.2002 11:41

Liebe Frau Kern!

Bzgl. der Nancy Hylton Orthesen wird es von uns zurzeit folgendermaßen gehandhabt: Auf der Verordnung sollte nur stehen: "Ein Paar Unterschenkelorthesen aus Polypropylen". Aus der Diagnose sollte klar hervorgehen, dass dieser Patient Unterschenkelorthesen braucht. Z.B. Dg.: ICP, Hemiparese, tonischer Spitzfuß. Dann muss der behandelnde Arzt den Orthopädietechniker darüber informieren, dass Nancy Hylton Orthesen angefertigt werden sollen. Wir berechnen für beide Orthesenmodelle den gleichen Preis. Von den Krankenkassen wird sofort abgeblockt wenn irgendwas von Nancy Hylton oder propriozeptiv oder neuoreflektorisch auf der Verordnung steht. Da eine Nancy Hylton Orthese aber selbstverständlich eine Unterschenkelorthese ist, kann hier niemand belangt werden sofern die Indikation stimmt. Den Nachteil hat das Sanitätshaus weil die Anfertigung der NH Orthesen aufwendiger ist wie die Anfertigung von konventionellen Unterschenkelorthesen. Lässt sich zurzeit leider nicht anders regeln. Wir arbeiten an Studien, die die Wirksamkeit von NH Orthesen nachweisen soll. Bis dahin weiß ich keinen besseren Weg.

Alfons Fuchs, Leiter Orth. Werkstatt, Orth. Univ.-Klinik Heidelberg

Valenserschienen
 


von Angelika Alles am 13.Mar.2003 00:41

Ich trage an beiden Schuhen Valenserschienen
und komme eigentlich soweit ganz gut mit ihnen klar.Nur leider gehen sie ständig wegen der Kraft in meinen Füßen(Spastik)kaputt.In Zeiten der Reparatur habe ich dann keine Möglichkeit mehr rauszugehen..Außerdem trage ich im Sommer wie im Winter die gleichen Schuhe...Gibt es da keine anderen Möglichkeiten(Spitzfuß,Sichelfuß,Tetraspastik).Würde mich sehr über einen Rat freuen.Im vorraus vielen Dank A.Alles

RE: Valenserschienen
 


von A. Fuchs, ltd. Orthopädiemechaniker-Meister, Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg am 14.Mar.2003 13:53

Valenser Schienen sind meines Erachtens einigermaßen ungeeignet zur Behandlung der angeführten Situation. Ohne den Fuß gesehen zu haben wage ich trotzdem eine Ferndiagnose/Empfehlung.

Grundsätzlich sollte man versuchen, regulierend auf die Spastik einzuwirken. Dazu bedarf es einer am ganzen Fuß anliegenden Orthese, die eventuell vorhandene Fehlstellungen korrigiert. So genannte Nancy Hylton Orthesen oder Orthesen ähnlicher Bauart sind hier sehr gut geeignet. Sollte eine Fußheberlähmung vorliegen muss überlegt werden, ob die Orthese bis zur Wade hoch reichen muss. Diese Orthesenbauart erlaubt meistens die Verwendung von normalen Konfektionsschuhen, die beliebig gewechselt werden können. Die
Orthese ist nicht mit dem Schuh verbunden.

Unter der Web Seite www.orthopaedie.uni-hd.de und dort unter "Orthopädie - und Schuhtechnik" und dann unter "Fuß-OT" ist die Orthese kurz beschrieben.

Ein Termin für einen persönlichen Besuch in unserer Werkstatt kann jederzeit vereinbart werden. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

Viele Grüße
Alfons Fuchs

RE: Schienen
 


von Dr. med. L. Döderlein am 17.Mar.2003 15:09

Ohne Kenntnis Ihres Befundes kann ich natürlich nur sehr ungenau Stellung nehmen. Die sogenannten Valenserschienen sind für reine spastische Füße nicht geeignet, sie sind bei einer Lähmung der Fußhebemuskulatur angezeigt. Es wäre m. E. sinnvoller, sie entweder mit stabileren Orthesen mit plantarem Anschlag oder mit Innenschuhen zu versorgen, die der Spastik besser widerstehen können.

Allerdings muß man die Frage stellen, ob nicht durch konservative (Botulinumtoxin) oder operative Maßnahmen (Wadenmuskelverlängerung) eine dauerhaft bessere Lösung zu erreichen ist.

Viele Grüsse
Dr. med. Döderlein

Nancy Hilton Orthesen u. Propriozetive Einlagen
 


von Christel Abelt am 14.Nov.2003 11:28

Sehr geehrter Herr Dr. Döderlein!
Mein Enkel, 3 Jahre, rechtsseitige Hemiplegie, entwickelt links einen starken Spitzfuß und macht erste Gehversuche an der Hand und einem Lauflernwagen. Sein Knie ist gebeugt. Der Orthopäde hat ihm propriozetive Einlagen verschrieben, die in halbhohen Stiefeln eingearbeitet wurden, mit denen er Laufübungen macht. Parallel wurden ihm in Verbindung mit dem versorgenden Sanitätshaus und einer Nancy-Hilton Schulung Orthesen angepaßt. Ist dies ein Widerspruch. Was ist besser für ihn? Besteht die Chance, daß er frei laufen wird? Eine besorgte Oma würde sich über eine Expertenantwort freuen. Mit freundlichen Grüßen

RE: Nancy Hilton Orthesen u. Propriozetive Einlagen
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 12.Dec.2003 11:45

Sehr geehrte Frau Abelt,

das Problem besteht bei einem Patienten mit Hemiplegie in der meist sich entwickelnden zunehmenden Spitzfußstellung. Aus diesem Grunde sind hohe Orthesen, die zumindest bis auf die Hälfte des Unterschenkels reichen, günstiger, als kurze. Insbesondere wenn die Wadenmuskulatur bereits zur Verkürzung neigt, sollte aber durch Gips oder Botulinumtoxin-Behandlung vorab eine entsprechende Lockerung erreicht werden, da damit die Orthesen besser vertragen werden.

Viele Grüsse,
Dr. med. Döderlein

Mensini-Orthesen / Swash-Orthesen
 


von Kathrin Schaale am 11.Sept.2003 22:14

Hallo Herr Fuchs,
ich bin Mutter von Zwillingen die beide nach FG 26 SSW heute eine ICP haben. Sie sind inzwischen 41/2 Jahre alt und sind seit 2 Jahren mit Nancy-Hilton zum Steh-und Gehtrainning versorgt. Die größten Schwierigkeiten meines ältesten Sohnes sind eine Rumpfschwäche und die Überkreuzung der Beine (trotz Botox). Bei der Neuversorgung mit Hilfsmitteln ist immer wieder die Rede von Swash-Orthesen oder Mensini-Orthesen. Leider kann ich zu keiner der beiden Informationen finden. Können sie mir da weiterhelfen?
Vielen Dank und viele Grüße
Kathrin

RE: Mensini-Orthesen / Swash-Orthesen
 


von Alfons Fuchs am 17.Sept.2003 18:26

Liebe Frau Schaale,

zu den Swash Orthesen kann ich Ihnen empfehlen einmal bei Herrn Preisler von
der Fa. Pro walk Tel. 06103/21086 anzurufen. Er kann Ihnen da sicher
weiterhelfen. Herr Preisler ist Krankengymnast und vertreibt in Europa schon
seit vielen Jahren Orthopädietechnische Hilfsmittel. Ich schätze ihn sehr
als ausgezeichneten Fachmann bei Patienten mit ICP und Spina bifida.

Mensini Orthesen habe ich noch nie gehört. Vielleicht kennt Herr Preisler
die.

Viele Grüße
Alfons Fuchs