Förderverein rege e.V.

Forum Infantile Cerebralprarese

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Sonst. konservative Behandlungen (Botulinum-Toxin etc.)

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Fragen und Antworten zu konservativen orthopädischen Behandlungskonzepten (z.B. Botulinum-Toxin, Therapiegipse etc.)

Wie lange Nachtlagerungsschienen?
 


von Becki am 12.Aug.2002 12:35

Hallo!

Mein Sohn hatte starken Zehenspitzengang (keine CP wie sich herausstellte) und bekam im März 4 Wochen Gipse an die Füße. Jetzt läuft er ganz toll und wir konnten sogar mit der Krankengymnastik aufhören! Meine Frage ist nun, wie lange muß mein Sohn diese Schienen bzw. die Einlagen tragen? Gibt es da eine bestimmte Zeit die man vorsorgehalber einhalten sollte???

RE: Wie lange Nachtlagerungsschienen?
 


von Dr. med. Döderlein am 14.Aug.2002 09:57

Vielen Dank für die Anfrage. Wir geben diese Schienen für mindestens 1 Jahr, wobei auch die Krankengymnastik über diesen Zeitraum fortgesetzt werden sollte.

Wenn sich eine erneute Verschlechterung des Ganges einstellen sollte, wären nochmals Gehgipse empfehlenswert; im Allgemeinen kann man damit ein dauerhaftes Ergebnis erzielen.

Viele Grüsse
Dr. med. Döderlein

Hemiparese+Streckspastik
 


von Regina Hoffmann am 27.Jul.2002 15:43

Hallo!
Ich hätte mal eine Frage. unser Sohn wurde in der 25 SSW mit 950g geboren!Am 23.09.2000. Er hatte eine starke Gehirnblutung zwischen Grad III oderIV!Dadurch hat er eine rechtsseitige Hemiparese und eine Streckspastik in den Beinen!Lukas wird jetzt im September 2Jahre und kann weder sitzen krabbeln oder laufen!Uns ist es jetzt sehr aufgefallen seitdem er zu robben begann, das er seine Beine fast nur noch überkreuzt,und wenn man ihn hinstellt, dann überkreuzt er und steht regelrecht auf den Zehenspitzen!Irgendwie schaut sich keiner unserer Ärzte Lukas genau an, sie sagen nur, das wird noch und man muss halt abwarten was passiert, aber ich höre von so vielen Müttern, das es dafür auch Schienen gibt!Kann man garnichts machen?Wie wurden auch bis jeztzt noch zu keinem Orthopeden geschickt!
Ich hoffe sie können mir weiterhelfen!
Gruss Regina!

RE: Hemiparese+Streckspastik
 


von Dr. med. L. Doederlein am 6.Aug.2002 12:30

Sehr geehrte Frau Hoffmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Eine verzögerte Entwicklung als Folge einer Gehirnschädigung durch eine stärkere Gehirnblutung ist nichts ungewöhnliches, so dass man anhand der Tatsache, dass Ihr Sohn erst jetzt zu robben beginnt noch keine genaue Prognose hinsichtlich einer evtl. späteren Gehfähigkeit stellen kann.

Das Überkreuzungsmuster der Beine ist aber ausserordentlich ungünstig, auch die Streckspastik, wenn man das Kind hinstellt. Hier sollte dringend durch konservative Maßnahme die Krankengymnastik und vorteilhafterweise auch die Injektion von Botulinumtoxin in die Adduktorenmuskulatur versucht werden, das Bewegungsausmaß der Hüftgelenke zu verbessern und das Überkreuzen der Beine zu unterdrücken.

Mittelfristig kann ein starkes Überkreuzungsmuster zu einem Austreten der Hüftgelenke aus den Hüftpfannen mit weiteren Schmerzen und zusätzlicher Funktionseinschränkung führen, die dann nur durch operative aufwändige Maßnahmen wieder herzustellen sind.

Wichtig wäre auch, dass das Kind regelmäßig in Sitz- und Ruheperioden ein kräftiges Kissen zwischen die Beine gewickelt bekommt, um das Überkreuzen zu hemmen.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

spast. Diparese
 


von Beyer, Grit am 19.Jul.2002 22:42

Sehr geehrter Dr. Döderlein,
unser Sohn ist jetzt 14 Monate. Seit er 1/4 Jahr ist haben wir KG nach Vojta. Er kann noch nicht sitzen, robbt aber alternierend und zieht sich bereits an Möbeln hoch. Dabei steht er praktisch nur auf den Zehen. Ein Orthopäde sagte, er habe keinen richtigen Spitzfüß, da die Füße bei gestrecktem Knie über 90° passiv bewegt werden können. Er hat uns empfohlen, die Füße (ohne die Zehen) und Waden für drei Mal eine Woche eingipsen zu lassen. Die Krankengymnastin hat dagegen Bedenken, da das angeblich nur bei stärkerer Spastik angezeigt sei. Was raten Sie uns? Ab wann ist das Eingipsen sinnvoll? Können Sie uns eine Anlaufstelle für CP-Kinder im Berliner Raum empfehlen? Danke.

RE: spast. Diparese
 


von Dr. med. L. Doederlein am 23.Jul.2002 14:50

Sehr geehrte Frau Beyer,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Es ist typisch, dass ein Junge mit spastischer Lähmung auf den Zehen steht, wenn er sich hochzieht. Dies passiert, auch wenn die Füße bei der passiven Untersuchung frei beweglich sind. Die Behandlung mit einem Unterschenkelgips für 3 Wochen oder 4 Wochen ist eine etablierte Methode, um eine Muskelverkürzung zu verhindern.

Die Krankengymnastin sollte sich eher mit der Methode auseinanderzusetzen als dagegen zu stimmen, da diese Methode eine Erleichterung der weiteren krankengymnastischen Förderung mit sich bringt. Bei stärkerer Spastik ist diese Methode eher weniger geeignet, da es damit zu Druckstellen kommt.

Alt Alternative zum Eingipsen kann auch die Botulinumtoxin-Gabe in die Wadenmuskulatur angesehen werden.

Als Anlaufstelle für CP-Kinder im Berliner Raum kann ich Ihnen leider höchstens Herrn Kollegen Pietsch im Klinikum Berlin-Buch empfehlen, eine weitere gute Adresse dürfte Herr Dr. Senst im Marienstift in Arnstadt bei Erfurt sein.

Mit freundlichen Grüssen
bin ich Ihr

Dr. med. L. Döderlein
Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II

ICP bei Sophie
 


von Lydia und Sophie Erhardt am 1.Jul.2002 13:22

Meine Tochter Sophie wurde am 09.05.2000 nach einer unauffälligen Schwangerschaft 9 Tage zu spät entbunden. Die Geburt wurde mit Prostaglandin-Gel eingeleitet. U 3 Hüft-Sono war o.B. Nach 6 Monaten bemerkte ich beim Wickeln, dass das linke Bein kürzer erschien. Danach erfolgten viele Besuche bei verschiedenen Orthopäden. Im Mai 2002 schickte man uns dann von der orthopädischen in die neuropädiatrische Ambulanz im Olgäle in Stuttgart. Dort wurde dann der V.a. spastische Hemiparese geäussert. Dass EEG war pathologisch, der Kernspinbefund steht noch aus (Untersuchung am 22.05.2002). Heute war ich in Ludwigsburg beim Orthopäden Dr. Weil. Dieser sagte, es ist eindeutig ICP und ich solle sofort in die neuropädiatrische Ambulanz nach Ludwigsburg um mit Vojta zu beginnen. Mit Vojta habe ich mich schon verschiedentlich auseinandergesetzt und stehe dieser Therapie sehr ambivalent gegenüber. Da Sophie einen ausgeprägten Spitzfussgang und einen starken Innenrotationsgang hat, würde ich sie gerne hier bei Ihnen nochmals vorstellen. Vielleicht können Sie mir einen Rat geben bezüglich Vojta und was ich ausser Vojta noch machen kann für meine Tochter.

RE: ICP bei Sophie
 


von Dr. med. L. Döderlein am 15.Jul.2002 15:54

Sehr geehrte Frau Erhardt,


die Diagnose einer spastischen Hemiparese muss nicht automatisch durch eine Therapie nach Vojta behandelt werden. Der ausgeprägte Spitzfußgang und die Innenrotation ist typisch für eine Hemiparese, ich würde dringend empfehlen, zumindest was den Spitzfußgang anbelangt, therapeutisch einzugreifen, in Frage käme hier entweder Botulinum Toxin-Gabe oder Dehngipsbehandlung für 2 x 2 Wochen und anschließend die Fußorthetik.

Wenn Vojta nicht toleriert wird, ist eine Therapie nach Bobath oder eine andere neurophysiologische Technik oder auch die Krankengymnastik in der Petö-Förderung gleichwertig. Krankengymnastisch sollte vor allem die zur Verkürzung neigende Hüftinnenrotations-Kniebeuge- und Wadenmuskulatur gedehnt werden, die betroffene Seite soll auch vor allem wegen der Hand mit Ergotherapie versorgt werden.

Bezüglich des Spitzfußes empfehle ich die konservative Behandlung, anschließend die Nachtschienenversorgung, mittelfristig wird man vermutlich um einen kleinen operativen Eingriff nicht herumkommen.

Bezüglich eines ambulanten Vorstellungstermines darf ich Sie bitten, entweder über Frau Heine ( 06221/966384 ) oder über unsere ambulante Aufnahme sich einen Termin in der CP-Ambulanz geben zu lassen.


Mit freundlichen Grüßen
bin ich Ihr



Dr. med. L. Döderlein
Ltd. Oberarzt der Abt. Orthopädie II

Deformierte Füße
 


von Sandra Kohlheyer am 28.May.2002 21:06

Hallo,

unser Sohn Christian (fast 3, spastische Diparese) hat meiner Meinung nach schon jetzt ziemlich deformierte Füße (Knickfüße). Versorgt ist er mit propriozeptischen Einlagen.

Kann man denn sonst noch irgendetwas dafür tun, das die Füße wieder etwas "normaler" werden. Liegen diese Probleme auch am zu hohen Muskeltonus?

Vielen Dank!

Sandra

RE: Deformierte Füße
 


von Dr. med. L. Doederlein, ltd. OA Sektion Cerebralparese, Stiftung Orth. Universitaetsklinik Heidelberg am 10.Jun.2002 12:40

Sehr geehrte Frau Kohlheyer,

Knickfüße sind bei einer spastischen Diparese nichts Seltenes, und es hängt davon ab, ob die Wadenmuskulatur ausreichend gedehnt werden kann, um den Fuß in eine richtige Stellung zu bringen. Grundsätzlich sind propriozeptive Einlagen nicht ausreichend, wenn sich bereits Knickfüße entwickelt haben. Meines Erachtens sollte durch einen Orthopäden festgestellt werden, ob die Wadenmuskulatur verk¨ürzt ist. Man kann das dann durch Botulinumtoxin oder eine Therapiegipsbehandlung soweit korrigieren, daß sich die Füße gut in Fußorthesen betten lassen, die ein Ausweichen des Fußes in Knickfußstellung verhindern. Ohne eine entsprechende Orthesenversorgung des Fußes (eine Orthese ist eine Schiene, die den Fuß bis zum Unterschenkel hin führt) ist mit einer weiteren Verschlechterung der Fußfehlstellung zur rechnen.

Mit freundlichen Grüßen
bin ich
Ihr Dr. L. Döderlein

Fehlende Aufrichtung des Rückens
 


von Kleinert am 28.May.2002 11:45

Guten Tag!
Mein Sohn ist 3Jahre alt.Er hat tetraparese ,er kann nicht sitzen,stehen oder laufe.Er hat immer grosse Angstzustände wenn es um etwas neues geht und er nicht die Hilfestellung bekommt die er kennt.Ich finde er hat seine Spastik nicht nur in den Beine,sndern auch im Rücken,denn er kann seinen Rücken nicht richtig gerade machen.Nun meine Frage:Kann sich das mit dem Rücken noch verbessern so das er sitzen lernen kann?

RE: Fehlende Aufrichtung des Rückens
 


von Dr. med. L. Doederlein, ltd. OA Sektion Cerebralparese, Stiftung Orth. Universitaetsklinik Heidelberg am 10.Jun.2002 12:48

Bei einem Jungen mit 3 Jahren ist eine weitere funktionelle Verbesserung durchaus noch möglich, vorausgesetzt, er besitzt eine ausreichende Stützfunktion der Arme und hat gute Eigenmotivation. Die Angst ist ein Teil des verbliebenen elementaren Reflexmusters und lässt sich meistens nicht mehr beseitigen.

Wichtig ist, dass man die Spastik der Beine durch entsprechende Schienen und entsprechende Sitzversorgung hemmt und die Schwäche der Rückenmuskulatur durch eine entsprechende Sitzversorgung unterstützt. Der Rücken kann sich aber prinzipiell durch eine entsprechende Versorgung vielleicht auch unterstützt durch eine Schrägliegebettbehandlung noch verbessern.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. L. Döderlein

Therapien bei ICP
 


von Petra am 6.May.2002 22:47

Guten Tag,
bei meinem Sohn, 20 MOn., wurde im Jan im SpZ eine ICP diagnostiziert. Er hat eine Spastik in Armen und Beinen. Wir machen auch von Anfang an bereits KG nach Bobath. Ich selber bin leider momentan wieder mal in einem Tief, weil es so gar nicht vorwärts gehen will mit der entwicklung unseres Jungen. Er kann sich mit seinen 20 Mon.gerade mal rollen. Er kann weder sitzen, robben oder krabbeln. Er ist auch seeehhr viel am Schreien. Kann man denn etwas gegen das Schreien unternehmen? Was kann ich denn noch für ihn tun? Wer beurteilt das Kind bzw. wer sagt mir welche Therapie für ihn geeignet ist und wann ich diese machen kann? Oder muß ich mich selber schlau machen (mache ich sowieso) welche Therapien es gibt und evtl. für meinen Sohn geeignet sind. Habe auch schon über eine Therapie mit Botulin nachgedacht. Wer bzw. wo wird dies durchgeführt? Auch in Nordhessen? Es wäre nett, wenn mir jemand diesbezüglich Infos geben könnte.

Besten Dank im voraus
Gruß
Petra

RE: Therapien bei ICP
 


von Dr. med. L. Doederlein am 14.May.2002 07:50

Sehr geehrte Petra,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Bei einem Jungen mit 20 Monaten ist die Verzögerung der motorischen Entwicklung typisch, wenn er an einer infantilen Zerebralparese leidet. Man kann zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich noch nicht absehen, wie weit er in seiner motorischen Entwicklung kommt, wenn er aber bereits mit dem Rollen beginnt, ist das kein schlechtes Zeichen.

Bezüglich des Schreiens würde ich Sie bitten, Kontakt mit Ihrem Kinderarzt aufzunehmen, um hier nicht zu übersehen.

Die Bobath-Therapie halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für ausreichend, wenn sie etwa 2 x wöchentlich durchgeführt wird. Ich möchte Sie aber bitten, auch selbst täglich mit dem Kind zu turnen.

Botulinumtoxin ist in diesem Alter nur dann angezeigt, wenn sich eine schwere Spastik abzeichnet. Bezüglich der Botulinumtoxin-Gabe wird meines Wissens auch in der orthopädischen Klinik in Kassel eine entsprechende Sprechstunde vorgehalten.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Leonhard Döderlein
Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II

Welche Muskeln mit Botox behandeln?
 


von D.Fleischmann am 6.May.2002 18:00

Sehr geehrter Herr Dr. Döderlein, sehr geehrter Herr Butz,
wir hatten die Möglichkeit Sie bei der Info-Veranstaltung des rege ev. im Februar in Heidelberg kennenzulernen und freuen uns sehr, dass sich jemand mit dieser Fachkompetenz bereit erklärt, in dieser Form Rede und Antwort zu stehen.
Unser Sohn(bald 3) hat eine CP in Form der "Tetraparese mit dystoner Komponente"- so die Diagnose. Das äußert sich in einem ständigen Schwanken zwischen Hyper- und Hypotonie.
Nun hat man schon oft ( auch in der Broschüre zur Botox-Behandlung von Herrn Heinen) von Botox-Behandlung der Beine gehört. Unser Sohn ist momentan noch dabei, das Krabbeln bzw. Robben zu lernen und dabei spielen ihm die verkrampften Arme schlimmer mit als die Beine.
Gibt es eine solche Botox-Behandlung auch für die Brust-bzw. Armmuskulatur?
Macht das Sinn? Gibt es da Gegenanzeigen? Was wäre zu beachten?
Für eine Antwort wären wir sehr dankbar!

Viele Grüße
D.Fleischmann

RE: Welche Muskeln mit Botox behandeln?
 


von Dr. med. L. Doederlein am 8.May.2002 13:24

Sehr geehrter Herr Fleischmann,

bezugnehmend auf Ihre Anfrage darf ich Ihnen mitteilen, dass natürlich die Botulinumtoxin-Behandlung auch für verkrampfte Arme geeignet ist, wenn die Hauptmuskeln entsprechend infiltriert werden. Allerdings muß man hierbei mit der Dosierung etwas vorsichtiger sein.

Gegenanzeigen wären nur darin zu sehen, wenn das Kind die Arme gezielt einsetzen kann, da durch die vorübergehende Schwächung diese Funktionen möglicherweise etwas eingeschränkt sind.

Zu beachten wäre, dass eine exakte Auswahl der Muskulatur getroffen wird und zwischen erneuten Injektionen ein Intervall von wenigstens 3 Monaten eingehalten wird.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Leonhard Döderlein
Ltd. Oberarzt d. Abt. Orthopädie II

BOTOX-Behandlung bei Klumpfuss bds.???
 


von Jörg am 30.Mar.2002 18:31

Hallo,

heute waren wir bei unserem Orthopäden zum neu gipsen von Philipps Füssen (6 1/2 Monate)!

Er hat uns auf die Botox-Behandlung (Botulinumtoxin) angesprochen!

Er sagte, daß ein Mittel (ähnlich wie Gift!?!?) in die Wade gespritzt wird, und der Wadenmuskel dadurch "geschwächt" wird! Dies würde dann ca. drei Monate anhalten! Hierduch würde er den Fuss besser in den Gips bekommen bzw. er könnte ihn besser dehnen und "biegen"! Man würde dann eine schnellere Korrektur erzielen und könnte dann auch eher mit den Schienen anfangen! Unser Sohn soll ja zu 99% nicht operiert werden!

Wenn einer irgendwas dazu weiss, oder sogar ein Arzt Erfahrung damit hat, soll er bitte Antworten!

Vielen lieben Dank im Voraus und schöne Ostern

Melanie, Jörg und Philipp

P.S. Unser Orthopäde hat dies noch nie gemacht, und würde gerne einen Arzt dazu befragen!

RE: BOTOX-Behandlung bei Klumpfuss bds.???
 


von Dr. med. L. Doederlein am 24.May.2002 13:41

Liebe Familie Melanie, Jörg und Philipp,

die Kombination von Botulinumtoxinbehandlung und Gipsen ist vor allem bei stärkeren spastischen Spitzfüßen durchaus ein gängiges Verfahren, um die günstigen Wirkungen bd. Methoden zu kombinieren und so eine längere und bessere Wirkung zu erreichen.

Die Verträglichkeit der Gipsbehandlung wird außerdem ebenfalls durch die Vorbehandlung mit Botulinumtoxin verbessert, so dass ich, wenn ein entsprechender Spitzfuß vorliegt, durchaus diese Methode empfehlen würde.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

Botulinumtoxin
 


von Sandra Kohlheyer am 2.Feb.2002 16:49

Guten Tag,

unser Sohn (spastische Diplegie) soll Botulinumtoxin in ein Bein gespritzt bekommen.
Nun hört man immer wieder mal von etrem schlechten Erfahrungen nach der Injektion (Kind konnte 3 Monate gar nicht mehr laufen,...). Außerdem frage ich mich, wie der Rest des Körpers auf solch ein Gift reagiert.

Gibt es dazu überhaupt schon Erkenntnisse?

Vielen Dank

S. Kohlheyer

RE: Botulinumtoxin
 


von Dr. med. L. Doederlein am 11.Mar.2002 07:45

Sehr geehrte Frau Kohlheyer,


bezüglich der Behandlung mit Botulinumtoxin kann ich Ihnen nur berichten, dass theoretisch zwar eine vorübergehende Schwäche der Muskulatur durch eine zu hohe Dosis möglich ist, dies aber außerordentlich selten ist und in jedem Falle nur vorübergehend andauert. Der Rest des Körpers reagiert völlig neutral auf dieses Gift, das Gift wirkt nur in dem Muskel, in dem es gespritzt wird und wirkt dort auch nur vorübergehend für einige Monate.

Je länger man mit einer entsprechenden Injektion wartet, wenn dieses bei reiner Spastik sinnvoll ist, um so schlechter ist die Wirkung, d. h. bei Kindern jenseits des 8. - bis 10. Lebensjahres wirkt dieses Medikament nur noch gering oder kaum mehr.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Döderlein
Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II

Verstärkt Artane die Spastik?
 


von kessi am 24.Feb.2003 17:16

Bei mir wurde eine axiale Dystonie (mit konsekutiver Skoliose) (als Leitsymptom)diagnostiziert. Durch Botox wird mir viel geholfen. Ich bekomme auch Artane, die am Anfang die Krämpfe(keine Spastik) der Füße und Beine, das Zittern verschwinden ließen(auch Besserung der Mitbewegungen anderer Körperteile). Doch dann wurden die Füße immer schlechter. Es hieß, dass Artane die Paresen der Beine verstärkt (deshalb Verminderung der Dosis). Dafür wurde die Spastik der Beine mehr.
Leider habe ich die Zusammenhänge nicht richtig begriffen (wurde auch nicht viel erklärt).
Stimmt es also, dass die Paresen schlechter werden(durch die Artrane) und die Spastik dadurch mehr ausgelöst wird ?
Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand etwas aus dem Chaos helfen kann!
Kessi

RE: Verstärkt Artane die Spastik?
 


von Dr. med. L. Döderlein am 5.Mar.2003 14:57

Vielen Dank für die Anfrage. Es geht darum, ob durch die Artane-Gabe eine Verstärkung der Spastik ausgelöst wird.

Meine Rückfrage über die Nebenwirkungen zeigt auch eine mögliche Verstärkung von Dyskinesien, allerdings keine Verstärkung der Spastik. Prinzipiell ist aber schon denkbar, dass sich durch eine Verminderung der Krämpfe eine Konzentration der Muskelaktivität auf die Füße beschränkt.

Es wäre aus diesem Grunde zu überlegen, ob man entweder nach Rücksprache mit dem Neurologen oder mit dem Hausarzt die Artane-Medikamente reduziert oder die Beine gezielt ebenfalls mit Botulinumtoxin behandelt, um die muskuläre Überaktivität anzugehen.

Leider kann man hier operativ nicht helfen. Eine weitere Möglichkeit wäre aber auch Elektrotherapie oder physikalische Anwendungen mit Kälte und tonushemmenden Griffen.

Viele Grüsse,
Dr. med. Döderlein

Botulinumtoxin / cerebral parese
 


von Petra am 10.Dec.2002 21:04

Guten Tag Hr.Dr.Doederlein,
mein Sohn (2 J. 3 Mon.) hat eine cerebral parese, beinbetont. Nun waren wir im Marienstift Arnstadt zur amb. Untersuchung. Es wurden ihm erstmal Einlagen verordnet. Und es wurde uns empfohlen, nächstes Jahr unseren Junge mit Botulinumtoxin Typ A behandeln zu lassen. Nun habe ich aber von einer Bekannten gehört, wenn man Botulin spritzt, solle das in Verbindung mit einer Kur sein, damit man verstärkt KG durchführen könne. Ich kann aber nicht zur Kur. Unser Sohn hat noch eine Zwillings- und noch eine ältere Schwester. Wie ist das mit der KG? Wir machen bisher 2x/Woche je 1 Std. KG nach Bobath. Wie sollte mit der KG weitergemacht werden, wenn Botulin gespritzt wurde? Wie bisher oder verstärkt (täglich?) Wer entscheidet das? Der Orthopäde? Die KG? Und wie wirkt sich das Botulin auf das Kind aus? Und wie oft kann die Behandlung wiederholt werden?
Es sind leider etliche Fragen geworden. Es wäre schön, wenn sie mir weiterhelfen könnten. Als wichtigstes ist für mich, wie und wie oft, danach mit der KG weitergemacht werden sollte.

Freundlichen Gruß
Petra

RE: Botulinumtoxin / cerebral parese
 


von Dr. med. L. Doederlein am 27.Jan.2003 08:37

Liebe Petra,

vielen Dank für die Anfrage. Wenn Botulinumtoxin gespritzt wurde, kann natürlich die Krankengymnastik auch in der bisherigen Art fortgeführt werden. 2 x in der Woche, 1 x KG nach Bobath ist sicherlich nicht schlecht, zusätzlich können Sie als Mutter ja mit dem Kind üben, insbesondere die gespritzten Muskeln dehnen.

Das Botulinum wirkt sich auf das Kind in keiner Weise negativ aus, es lockert nur den, oder die Muskeln, die gespritzt wurden, d. h. voraussichtlich die Adduktoren oder die Wadenmuskeln, und es wirkt nur für einige Monate.

Die Behandlung kann beliebig wiederholt werden, solange das Kind auf die Behandlung gut anspricht. Leider wirkt das Medikament bei älteren Kindern ab etwa dem Schulalter nicht mehr so gut, da dann die Muskulatur zur Verkürzung neigt. Gerade deshalb wäre es günstig, wenn etwas früher, d. h. durchaus mit dem 2. oder 3. Lebensjahr mit der Behandlung begonnen würde. Wenn Sie täglich mit dem Kind zuhause Dehnungsübungen durchführen, ist dies nach der Botulinumgabe ausreichend.

Viele Grüsse
Dr. med. Döderlein

Orthesen und Botox
 


von Schaedel, Rene und Liana am 19.Oct.2002 21:27

Sehr geehrter Herr Doktor Döderlein,
wir haben Zwillinge. Aufgrund von Hirnblutungen ( Frühgeburt ) leiden beide an ICP ( Fine - Diparese, Hannah Hemiparese ). Sie sind jetzt unkorrigiert 1 1/2 Jahre. Ziehen sich beide hoch und laufen seitwärts an Möbeln. Hannah steht frei und macht erste Schritte. Fine kann noch nicht frei stehen. Wenn sie seitwärts läuft, geht sie sofort in die Spitzfußstellung. Botox ist nächstes Jahr angedacht. Nun meine Fragen : Soll ich schon bevor die beiden Kinder frei laufen einen Orthopäden aufsuchen, um Orthesen und Nachtlagerungsschienen verschreiben zu lassen ? Gilt das ebenfalls für die Botox - Behandlung ? Vielen Dank im Voraus.

RE: Orthesen und Botox
 


von Dr. med. L. Doederlein am 23.Oct.2002 07:50

Sehr geehrte Familie Schädel,

auf Grund Ihrer Schilderung kann ich mir den Befund recht gut vorstellen. Es ist wegen der raschen Entwicklung struktureller Spitzfüße m. E. absolut sinnvoll, dass hier sowohl Botulinumtoxin als auch Orthesen und Nachtlagerungsschienen gegeben werden, um die drohende Wadenmuskelverkürzung aufzuschieben, bzw. zu verhindern.

Alternativ kann man auch mit Therapiegipsen arbeiten, die aber in diesem Alter sicherlich der Botulinumtoxin Behandlung unterlegen sind.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. L. Döderlein

Ober/Unterschenkelorthese
 


von Conny am 4.Jul.2002 14:04

Ich habe früher schon mal geschrieben, das bei meinem Sohn (6 Jahre) eine Derotationsostetomie gemacht werden soll. Nach einholen einer weiteren Meinung muss er nun eine Orthese tragen, welche die Fehlstellung ( Außenrotation) korrigieren soll. Er wurde im Oktober operiert (Achillessehnenverlängerung) und hat einen Knick-Senk-Fuß mit starker Außenrotation. Muss diese Orthese wirklich rund um die Uhr getragen werden? Manchmal ist dies sehr schwierig, da er ja noch klein ist und somit auch beim Spielen und Toben eingeschränkt ist. Nun sagte man uns, dass er die Orthese auch im Sportunterricht ( wird jetzt eingeschult) tragen soll. Aber ich kann mir nicht vorstellen dass das gut geht. Kann man da keine Ausnahme machen und ihn ohne O. turnen lassen? Eine Sportbefreiung wollte uns die Ärztin auch nicht ausstellen. Vielen Dank schon mal im Voraus.

RE: Ober/Unterschenkelorthese
 


von Dr. med. L. Doederlein, Ltd. OA Sektion Cerebralparese, Orth. Universitaetsklinik Heidelberg am 16.Jul.2002 19:22

Liebe Frau Hausen!

Bezüglich der Außenrotationsfehlstellung des Unterschenkels möchte ich Ihnen mitteilen, dass prinzipiell, wenn die Orthese passt, diese nur während des Tages zu tragen ist. Grundsätzlich sollte man sich aber doch überlegen, ob man den Knick-Senkfuß nicht operativ korrigiert, damit Ihr Sohn wieder mit normalem Schuhwerk laufen kann. Eine längere Wartezeit wird sicherlich keine Verbesserung des Befundes nach sich ziehen, eine Sportbefreiung halte ich zumindest eingeschränkt für sinnvoll, man sollte Ihren Sohn an den Sportarten teilnehmen lassen, für die er sich stabil genug fühlt. Prinzipiell besteht aber mein Rat einer Korrektur der Fehlstellung, die sich mit weiterem Wachstum sicherlich verschlechtern wird, weiterhin.

Viele Grüße

Dr. med. L. Döderlein
Ltd. Oberarzt der Abt. Orthopädie II

Botox - Indikationen
 


von Mirjam Wittstock am 11.Sept.2002 18:56

Unsere Tochter hat eine spastische Hemiparese. Sie ist 5 Jahre alt und der Spitzfuß ist zur Zeit noch nicht sehr ausgeprägt. Sie soll am 18.9. Botox gespritzt bekommen. Nun hörte ich plötzlich unterschiedliche Äußerungen über die Indikationen. Noch kann ihr linker Fuß auch in den 90 Grad -Winkel gedehnt werden. Ist das ein Grund mit der Botox-Therapie noch abzuwarten oder ist es wichtig frühzeitig damit zu arbeiten, um die Chance zu nutzen noch andere Bewegungsmuster zu lernen?
Welche Indikationen für die Botox-behandlung sehen Sie?
Mit freundlichen Grüßen ,
M.Wittstock

RE: Botox - Indikationen
 


von Dr. med. Döderlein am 16.Sept.2002 12:21

Sehr geehrte Frau Wittstock,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerade dann, wenn der Fuß noch in den 90°-Winkel zu dehnen ist oder sogar darüber hinaus korrigiert werden kann, ist eine dringende Anwendung der Botulinumtoxin-Therapie notwendig. Wenn der Fuß nicht mehr korrigiert werden kann, wirkt auch das Botulinumtoxin nicht mehr in ausreichendem Maße, da sich bereits eine beginnende Muskelverkürzung entwickelt hat.

Man muß dann mit aufwändigeren Maßnahmen, wie Gehgipsen oder sogar operativer Korrektur eine vernünftige Fußstellung wieder herstellen.

Die Botulinumtoxin-Gabe sollte in jedem Fall durch eine kleine Unterschenkel-Orthese für tagsüber und eine Nachtlagerungsschiene sowie regelmäßige Krankengymnastik ergänzt werden und bei erneuter Verschlechterung der Fußstellung rechtzeitig wiederholt werden.

Mit freundlichen Grüssen
bin ich Ihr

Dr. med. L. Döderlein

Botulinumtoxin Typ A
 


von Petra am 5.Jul.2003 22:14

Guten Hr.Dr.Döderlein,

ich hätte mal eine generelle Frage zum Thema: Boulinumtoxin Typ A.

Mein Sohn 2J.10Mon. (cerebral parese, beinbetonte Tetraspastik) wurde vor ein paar Tagen das 2.Mal mit Botulinumstoxin Typ A gespritzt. Er hat es gut vertragen. Auch das 1.Mal ging gut. Er verknäult jetzt nicht mehr so seine Zehen. Er hat eine Versorgung mit Einlagen und ich bekomme die Füße in den Schuh ohne die Einlagen vorher herauszunehmen. War vor der Botox-Behandlung unmöglich. Auch belastet er seine Beine wesentlich besser. Zwischenzeitlich fiel ihm das Krabbeln etwas schwerer, hat sich aber nach ca.2 Wochen wieder gegeben. Er hat bisher keine Sehenverkürzungen. Trotzdem hat unser Junge noch eine Spitzfußstellung.

Nun meine Frage: Unser Doktor sagte mir, daß die Botox-Behandlung mehrere Male wiederholt werden könne. Nun sagte mir eine Bekannte, daß die Botox-Behandlung max. 4-5 Mal wiederholt werden könne. Stimmt das??? Und das WARUM würde mich interessieren. Was ist, wenn es 5 Mal gepsritzt wurde? Wie geht es dann weiter bzw. wie kann es dann weitergehen? Werde unseren Dr. auf jeden Fall auch noch mal dazu befragen, aber der nächste Termin ist erst in 1/4 Jahr.

Besten ´Dank im voraus für Ihre Antwort
Gruß
Petra

RE: Botulinumtoxin Typ A
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 4.Aug.2003 13:15

Liebe Petra,

vielen Dank für Ihre Frage. Die Botulinumtoxin-Gabe kann bei guter Wirkung selbstverständlich auch über viele Jahre wiederholt werden, allerdings ist es so, dass bei Kindern mit spastischer Lähmung die Muskulatur zunehmend kurz wird, so dass die optimale Wirkung der Botulinumtoxin-Spritze bis etwa zum Einschulungsalter stattfinden kann.

Es gibt allerdings durchaus Kinder, die auch bis zum 10. Lj. und darüber hinaus regelmäßig gespritzt werden. Eine Verlängerung der Wirkung läßt sich durch eine Kombination mit Gipsbehandlung und ggf. auch mit entsprechender Nachtschienenbehandlung erreichen, da durch diese Maßnahme die Muskulatur zusätzlich gedehnt wird. Dann muß man auch die Spritzen nur noch in längeren Abständen geben.

Wenn ein Medikament (Botox oder Dysport) nicht mehr wirkt, kann man auch auf ein anderes übergehen und hat dann auch in vielen Fällen dennoch wieder eine gute Wirkung.

Mit freundlichen Grüssen bin ich Ihr
Dr. med. Döderlein


2x2 Wochen Therapiegips?
 


von Susanne Ganswind am 21.Jun.2003 20:34

Hallo Herr Fuchs, vielen Dank für Ihre ausführlich Auskunft! Meine Anschlußfrage ist, warum 2x2 Wochen Therapiegips? Wird zwischendurch erneute Korrekturstellung eingenommen bzw. kontrolliert oder zwischenzeitlich wieder KG verabreicht? Müssen die Kinder dabei fest liegen oder dürfen Sie laufen? Mit freundlichen Grüßen
Susanne Ganswind mit Fabian (*04/2001 Hemi rechtss.)

RE: 2x2 Wochen Therapiegips?
 


von Alfons Fuchs am 23.Jun.2003 10:19

Liebe Frau Ganswind,

der Gips wird in bestmöglicher Korrekturstellung angelegt. In zwei Wochen
verbessert sich durch die andauernde Korrektur die Situation. Dann wird der
Gips abgenommen und gleich anschließend in der nun verbesserten Stellung ein
neuer Gips angelegt, der wiederum die maximale Korrektur erreichen soll. Die
Kinder können während der ganzen Zeit laufen. KG gibt es keine, weil man ja
wegen des Gipses an den Fuß nicht dran kommt. Nach wiederum zwei Wochen wird
der Gips abgenommen und die (hoffentlich) zwischenzeitlich gefertigte
Orthese angelegt. Sinnvollerweise wird der Gipsabdruck für die Orthese beim
Gipswechsel, also nach den ersten zwei Wochen Gips gemacht. Es muß
allerdings sichergestellt sein, dass dem Sanitätshaus zu diesem Zeitpunkt
bereits eine Kostenzusage über die Orthesen vorliegt. Es ist also
empfehlenswert alles im Voraus zu planen.

Viele Grüße
Alfons Fuchs

Nancy Hylton Orthese
 


von Amberg, Randi (Frau) am 5.May.2003 22:13

An Herrn OA Dr. Döderlein,
Mein Sohn Jonas, 4 Jahre alt, hat Spastische Diparese.Er hat Spitzfußgang bds., Kniebeugekontraktur, Leichte Innenrotationsstellung bds., Huftsubluxation re. Die Füsse sind bds. schwer auf fast 0° zu redressieren. Er ist seit Mai 2002 bei Ihren Kollegen in der Gangambulanz zur Behandlung.
Seit Jan. 2003 hat er Nancy Hylton Orthesen. Sein Gangbild hat sich aber nicht verbessert. Er läuft immer noch auf seine Fuss-spitzen. Wenn er gute, feste Schuhe (ohne Orthesen) trägt, läuft er viel lockerer und " natürlicher". Er kann sogar ziemlich schnell Rennen. Mit seinen Orthesen stolpert er nur. Meine Frage ist; Wie wichtig ist es für Jonas die Orthesen zu Tragen? Auf der einen Seite möchte ich daß er so gut wie möglich mit den anderen Kindern rennen kann. Auf der aderen Seite habe ich aber Angst, daß die stabilität in seinen Gelenken,ohne Orthesen,fehlt. Kann es dadurch zu Schäden kommen?.
Jonas trägt zu Zeit seine Orthesen Tag und Nacht. Er hat auch Nachtlagerungs-schienen.
In Dez. 2002 hat er seinen ersten Botox- spritzen bekommen (mit mässigen Erfolg). Wir versuchen nochmal im Aug. diesen Jahres.

Mit freundlichen Grüssen
Randi Amberg

RE: Nancy Hylton Orthese
 


von Dr. med. Döderlein am 15.May.2003 14:01

Sehr geehrte Frau Amberg,

das Problem, das ein Kind mit Kniebeugestellung auch mit richtig angelegten Orthesen auf den Fußspitzen läuft, hat seine Ursache in den Knien. Nur bei voller Kniestreckung kommen die Füße auch mit der Ferse nach unten. Die Orthesen haben primär die Aufgabe, eine Verformung des Fußes, die durch die Spitzfußstellung in Richtung Knickfußstellung ausweichen können, zu verhindern.

Auf der anderen Seite verstehe ich Ihre Sorge, dass Jonas ohne die Orthesen besser laufen kann als mit.

Ich denke, dass man hier einen Mittelweg finden sollte. Man sollte auf alle Fälle versuchen, mit Botulinumtoxin und vielleicht auch mit Gipsen, wenn Botulinum nicht ausreichend wirkt, die Verschlechterung der Füße aufzuhalten. Voraussichtlich ist dann etwa 1 Jahr vor der Einschulung eine operative Korrektur in einer Sitzung erforderlich, um alle Fehlstellungen zu beseitigen und die weitere motorische Entwicklung, die ja günstig ist, zu unterstützen.

Bis dahin muß man sich mit Orthesen, mit Krankengymnastik und dazwischen natürlich auch mit Barfußlaufen und normalen Schuhen durchkämpfen.

Wichtig wäre, dass Sie regelmäßig, d. h. möglichst täglich, die verkürzten Hüftbeuger, Kniebeuger und Wadenmuskeln dehnen, um auch durch diesen Reiz keine weitere Verkürzung zu riskieren.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. L. Döderlein

Fußstellung nach Orthesenversorgung
 


von . am 3.Apr.2003 20:24

Sehr geehrter Herr Dr. Doederlein,

Unsere Tochter geb. 26.08.2000 (Frühgeb.)hat seit der Hirnblutung eine Hemiparese rechts. Die Auswirkungen sind zum einen die rechte Hand. Sie ist nicht im Bewegungsschema, heißt Sie kann den Arm in der Schulter konntrollieren aber den Ellenbogen und die Finger lassen sich noch nicht steuern. Na ja, wir arbeiten dran. Die Spastik ist schon zurückgegangen.

Unsere Sorge gilt mehr dem Fuß. Nina konnte schon mit 1 1/2 recht gut laufen, auch wenn Sie den rechten nie belastet. Die Fußstellung ist so, dass Sie mit dem rechten stark nach innen knickt. Die Fußfläche liegt nicht auf dem Boden auf sondern zeigt nach außen. Um das zu verhindern haben wir es mit Einlagen nach Nancy- Hilton probiert. Brachte schon einen Erfolg aber der Orthopäde meinte es würde nicht reichen und nun haben wir seit fast 4 Monaten dynamische Knöchelübergreifenden Orthesen nach Nancy-Hilton mit Einlagen. Meiner Meinung nach mit wenig Veränderung. Die Stabilität im Knöchel gleicht Sie mit einer Verstärkten Außenrotation des ganzen Fußes aus. Das Gangbild sieht damit noch schlechter aus. Außerdem "wandert" der große Zeh immer weiter unter die anderen. Für uns sieht es fast so aus, als ob nur der Zeh wieder nach außen gebracht werden muss um an Stabilität zu gewinnen und in Verbindung mit den N. H. Einlagen damit eine super Versorgung zu gewährleisten. Uns würde einfach die Meinung eines Fachteams interessieren weil unsere Orthopäden meiner Meinung nach mit der Aufgabenstellung überfordert sind. Der Weg zu Ihnen nach Heidelberg würde uns dabei nicht stören.

MfG
Familie .

RE: Fußstellung nach Orthesenversorgung
 


von Dr. med. Döderlein am 14.Apr.2003 14:03

Liebe Familie .

Bei Ihrer Tochter besteht wohl ein typischer spastischer Klumpfuß, für den die Versorgung mit einer reinen knöchelübergreifenden Orthese nicht ausreicht. Voraussichtlich ist hier zunächst eine Botulinumtoxingabe in die überwertige Wadenmuskulatur und in den hinteren Schienbeinmuskel erforderlich, um den Fuß so weich zu bekommen, dass er orthesenfähig wird.

Die Tochter benötigt dann eine Unterschenkel-orthese, die zumindest 2/3 der Unterschenkel-länge umfaßt. Gleichzeitig wäre auch eine Nachtschiene sinnvoll, da die Verkürzungstendenz der Wadenmuskulatur fortschreitet. Bitte versuchen Sie doch zunächst heimatnah einen Kollegen zu finden, der die Botulinumtoxingabe durchführt und sollten Sie damit nicht ausreichend zufrieden sein, wäre eine Vorstellung in unserer Ambulanz für technische Orthopädie oder in der Gangambulanz sinnvoll.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

Fußheberschwäche
 


von Prinzen am 15.Oct.2003 23:57

Hallo, ich habe hier schon interessante Beiträge gelesen. Bei meinem Sohn funktioniert aufgrund einer Cerebralen Bewegungsstörung der Dorsalreflex beim re. Fuss nicht. Wir sind zwar in Krankengymnastik - aber es wäre hilfreich, wenn ich noch ein paar Erfahrungswerte o. Anregungen bekommen könnte, welche Möglichkeiten es zur Behebung gibt. Danke im voraus

RE: Fußheberschwäche
 


von Alfons Fuchs am 20.Oct.2003 16:31

Hallo,

diese Frage lässt sich so kaum befriedigend beantworten. Dazu müsste sich
der Junge zunächst einmal in einer Ambulanz vorstellen, die sich mit der
Thematik der Infantilen Cerebralparese beschäftigt. Hier müsste eine
differenzierte Diagnose gestellt werden und dabei könnte sicher auch auf die
Frage der Behandlungsmöglichkeiten eingegangen werden.

Aufgrund der wenigen Angaben in der Anfrage schließe ich, dass es sich
hierbei um eine so genannte Hemiparese oder Halbseitenlähmung mit einem
Spitzfuß bei unzureichender Aktivität der fußhebenden Muskulatur handelt.
Krankengymnastik ist sicher sehr zu empfehlen, reicht aber in aller Regel
nicht aus, die Behinderung auszugleichen oder zu "beheben".

Als einfachste zusätzliche Maßnahme ist an eine knöchelübergreifende Orthese
zu denken, die über eine spezielle Gestaltung vor allem der Fußplatte eine
Aktivierung der Fuß hebenden Muskulatur unterstützen kann.

Sollte dies nicht ausreichen, kann über eine Orthese die bis zur Wade reicht
und über einen Federeffekt verfügt diese Fußhebung weiter unterstützt
werden.

Wenn sich schon ein struktureller (nicht mehr aufzubiegen) Spitzfuß
entwickelt hat steht als nächste Maßnahme eine Gipsbehandlung für ca. 4
Wochen oder/und eine Behandlung mit Botolinum toxin zur Debatte. Hierbei
wird der Spitzfuß korrigiert und für eine weitere Orthesenbehandlung
vorbereitet.

Als letzte Möglichkeit kommt noch eine korrigierende Operation in Frage.

Dies beschreibt in Kurzform die Vorgehensweise in unserem Haus. Die
Indikation und Entscheidung für die jeweilige Behandlung kann natürlich nur
der erfahrene Arzt nach ausführlicher Untersuchung des Patienten treffen.

Wirklich "heilen" kann man diese Behinderung nicht. Aber man kann mit den
jeweils geeigneten Mitteln die Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen
und die Behinderungen teilweise ausgleichen.

Viele Grüße
Alfons Fuchs

Botulinumtoxin
 


von Cathrin Illner am 6.Jun.2004 15:56

Sehr geehrte Damen und Herren,
hab mal eine Frage!
Ich soll im September zum 1. mal Botulinumtoxin, in der Uniklinik Münster gesprizt bekommen,weil ich nur noch Schmerzen wegen der Spastik habe!
Ich müsste warcheinlich für eine weile stationär dort bleiben warum? ich werde es in Beine und warscheilich Rücken bekommen.
Wird Botulinumtoxin unter Narkose gespritzt,muss mann dann noch monitorisch überwachz werden? was ist mit den Nebenwirkunungen???

Danke im Voraus!


Mit freundlichem Gruß,
Cathrin Illner

RE: Botulinumtoxin
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 10.Jun.2004 10:35

Sehr geehrte Frau Illner,

vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich kann man Botulinumtoxin selbstverständlich ambulant spritzen, braucht dazu auch keine Narkose, sondern allenfalls eine lokale kurze Vereisung der Haut, um den Einstich nicht zu spüren.

Nur wenn man tief liegende Muskeln, wie z. B. die Hüftbeugemuskeln spritzen will, benötigt man auch eine Kurznarkose. Ein stationärer Aufenthalt hierfür ist aber ebenfalls nur 1- bis 2 Tage erforderlich.

Viele Grüße

Dr. med. L. Döderlein

Dehngips
 


von Karl und Ute Nicoley am 30.Mar.2004 21:28

Sehr geehrter Herr Dr. Döderlein,

als Großeltern beaufsichtigen wir unseren Enkelsohn regelmäßig, der eine leichte Form der ICP hat. Er wird jetzt drei Jahre alt und hat große Fortschritte gemacht, er ist mobil und geistig rege. Unsere Tochter macht regelmäßig mit ihm Übungen nach der Methode Voijta und wir gehen mit ihm schwimmen und einmal in der Woche zum Kinderturnen in eine Sporthalle.

Die Empfehlung des Kinderzentrums, Botox zu spritzen zu lassen, um den Muskeltonus herabzusetzen und somit einen Spitzfuß nicht entstehen zu lassen, wurde nach eingehender Information über das Für und Wider akzeptiert. Inzwischen hat der Junge das zweite Mal Botox erhalten und es scheint wie erwartet zu wirken. Zur Verbesserung seines Gangbildes (vorher wurde er gefilmt) ist jetzt für zunächst eine Woche ein sogenannter Kunststoff-Gehgips bis zu den Knien angelegt worden. Damit sollte er sich möglichst viel bewegen, was aber nach unserer Beobachtung nur sehr schlecht möglich war, weil der Fußsohlenabschluß des Dehngipses nicht glatt, sondern ziemlich uneben ausgeführt wurde. Außerdem lagen die Zehen frei – ohne Unterstützung von unten. Ein Gehen ist nur in orthopä-
dischen Schuhen möglich und selbst dann versucht er mit den frei liegenden Zehen "Fuß" zu fassen, sodaß nun gerade der Eindruck des Auf-den-Zehen-
Gehens entsteht. Bei einer Nachunter-
suchung nach zwei Tagen wurde das fehlerhafte Eingipsen festgestellt, allerdings ohne Konsequenzen, denn bis zu einer veränderten Erneuerung des Gehgipses für eine weitere Woche (dann soll wieder gefilmt werden) soll der alte dranbleiben. Der Junge erträgt das geduldig, doch man sieht, dass er damit nur humpeln kann. Unsere Frage an Sie: Ist ein solcher Dehngips unbedingt notwendig und würden Sie aufgrund des Mangels auf einen sofortigen Austausch bestehen – oder gibt es Alternativen. Was würden Sie tun?

Über eine Anwort würden wir uns sehr freuen, mit freundlichen Grüßen

Karl und Ute Nicoley

RE: Dehngips
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 21.Apr.2004 12:58

Liebe Familie Nicoley,

die Anlage von Dehngipsen ist eine etablierte Methode, um den hohen Muskeltonus vor allem der Wadenmuskulatur herabzusetzen. Leider wirkt diese Methode nur vorübergehend, so daß sie in etwa 6-monatigen Abständen wiederholt werden sollte. Eine Verlängerung der Wirkung kann durch eine zusätzliche Verordnung von Nachtschienen, bzw. durch die Kombination mit Botulinumtoxin erreicht werden.

Auf Grund eines Mangels an der Ausführung würde ich in jedem Falle einen sofortigen Gipswechsel bestehen, da durch einen nicht korrekt angelegten Dehngips durchaus auch Druckstellen entstehen können.

Wenn die Sohle des Dehngipses nicht eben-erdig angefertigt wurde, sollte man zum Ausgleich eine langsohlige Gummisohle aufkleben, um einen planen Fußauftritt zu ermöglichen.

Viele Grüße,
Dr. med. Döderlein

Gangbildverbesserung
 


von Villefort Christa am 26.Dec.2003 23:48

Bei unserem 12-jährigen Sohn wurde im April 2000 eine gangverbessernde OP(Verlängerung bzw. Umlagerung der Muskeln) durchgeführt.
Sein Zustand heute:Kauergang, kann kaum einige Schritte mit Hilfe tun.
Frage: Welche Therapien oder orthopädischen Hilfen könnten meinem Sohn im jetzigen Zustand helfen?

RE: Gangbildverbesserung
 


von Alfons Fuchs am 19.Jan.2004 19:42

Diese Frage ist per Ferndiagnose schwierig zu beantworten. Dazu müsste sich der Junge hier einmal vorstellen.

Grundsätzlich können Unterschenkelorthesen bei einem Kauergang durchaus sehr hilfreich sein, sofern die Kniegelenke und die Hüftgelenke aktiv in die volle Streckung kommen. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, sollten Unterschenkelorthesen aus Carbonfaser hergestellt werden mit folgenden biomechanischen Wirkungsweisen:

- Fußteil als Schale gearbeitet
- Knöchelgelenke mit einem vorderen Anschlag bei ca. 90°
- Vordere Anlage unterhalb des Kniegelenkes.

Eine dynamische Alternative ist die Verwendung einer hinteren Karbonfeder anstatt der Knöchelgelenke. Die Orthese sieht ähnlich aus, hat aber seitlich keine Gelenke, dafür hinten eine Blattfeder aus Kunststoff.

Diese Orthesen verhindern, dass im Stand der Unterschenkel nach vorne abkippen kann. Dadurch wird das Kniegelenk gestreckt und der ganze Körper aufgerichtet.

Beide Orthesentypen habe ich als Foto angehängt.

Es besteht auch die Möglichkeit einer persönlichen Beratung in unserer Werkstatt oder der Vorstellung in unserer Ambulanz.

Mit freundlichen Grüßen
Alfons Fuchs







RE: Gangbildverbesserung
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 20.Jan.2004 08:13

Sehr geehrte Frau Villefort,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider kann ich ohne genaue Kenntnis Ihres Sohnes keine ausreichende Auskunft geben. Sie sollten ggf. Ihren Sohn in einer unserer Ambulanzen vorstellen, um hier weitere Maßnahmen zu besprechen, insbesondere auch um eine weitere Diagnostik, ggf. unterstützt durch Ganganalyse durchführen zu können.

Viele Grüße
Ihr Dr. med. Döderlein