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Forum Infantile Cerebralprarese

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Orthopädisch / chirurgisch

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Fragen und Antworten zu orthopädisch operativen Therapien

Dystonische Tetraplegie
 


von Alexandra H. am 28.Jan.2002 18:48


Mein Sohn 4,5J. hat eine starke willenskraft (und die Mama auch) gibt es die Möglichkeit durch eine Addukorentenotomie,
Myotomie oder einem Transfer, meinem Sohn auf die Beine zu helfen?? Botulinum wurde ausprobiert 2 mal. Das zweite mal
gab es eine Wirkungsumkehr. Bin leider dadurch sehr verunsichert. der Orthopäde von uns sagt es müßte schnellstmöglichst
operiert werden, o. Botulinum. Botulinum möcchte ich niccht, operiern will er nicht da er bsld in pansion geht. Was soll ich
tun?? wo kann ich meinen Sohn Vorstellen?? Bald möglichst, ich hab angst das es sonst zu spät ist. Danke!!!!

RE: Dystonische Tetraplegie
 


von Dr. med. Doederlein, Ltd. Oberarzt d. Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, Abt. Orthopädie II am 28.Jan.2002 18:55


Sehr geehrte Frau H.
Ohne genaue Kenntnis der Befunde Ihres Sohnes ist eine Auskunft nicht, oder nur sehr schwer möglich. Prinzipiell versucht man mit operativen Maßnahmen, die eine Gehverbesserung erreichen sollen, bis um die Einschulungszeit zu warten, d. h. bis zum 6./7. Lebensjahr. Eine Ausnahme gibt es dann,wenn die Hüftgelenke schlechter werden, bzw. durch eine starke
Adduktorenspannung aus der Pfanne herausgezogen werden. Grundsätzlich ist eine Adduktorentenotomie bei Kindern, die mögliche Gehfähigkeit zeigen, eine nicht ungefährliche Operation, da bei einer Überkorrektur eine ungünstigere, sehr breite Gangspur entstehen kann. Prinzipiell wird im Rahmen der modernen operativen Methoden versucht, auf allen Ebenen durch kleinere Eingriffe eine lotrechte Einstellung der Beine zu erreichen. Wenn der Junge Botulinum nicht vertragen hat, sollte man dies auch nicht nochmals probieren. Vielleicht stellen Sie sich gelegentlich in einer spezialisierten Klinik vor, hierzu müßte ich wissen, wo Sie wohnen.
Mit freundlichen Grüßen, L. Döderlein

Schlechtes Gangbild nach Achillessehnenverlängerung
 


von Katrin Emig am 13.May.2002 14:36

Sehr geehrter Herr Dr. Döderlein,

bei unserer Tochter Laura (3,5 Jahre) wurde aufgrund extremer Spitzfußstellung (spast. Hemiparese links) einen operative Achillessehnenverlängerung (nach Strayer) mit anschließendem 2-wöchigen Gehgips durchgeführt.

Ca. 4 Tage nach Abnahme des Gehgipses fing sie an zu humpeln (sie stellt das linke Bein steif nach außen und schiebt die Hüfte nach hinten) und läuft bedeutend schlechter als vorher. Beim Kontrolltermin (an dem Tag lief sie ausgerechnet relativ gut) wußte sich der Orthopäde auch keinen Reim darauf zu machen. Nun ist aber keine Besserung ersichtlich, zumal sie nun auch überhaupt nicht mehr schnell laufen kann (was vorher ging).

Da es bei Ihnen nicht möglich ist, einen relativ kurzfristigen Termin (Fr. Heine und CP-Ambulanz vergeben Termine für 2003!) zu bekommen, wußte ich mir keinen anderen Rat, als mich über dieses Forum an Sie zu wenden.

Ich hoffe, Sie können uns einen Rat geben. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Katrin Emig

RE: Schlechtes Gangbild nach Achillessehnenverlängerung
 


von Dr. med. L. Doederlein am 16.May.2002 14:35

Sehr geehrte Frau Emig,

es ist nichts ungewöhnliches, dass Patienten nach operativer Korrektur einer starken Spitzfußstellung zunächst schlechter laufen, da die Ferse ja nun nach langer Zeit wieder erstmals mit dem Boden in Berührung kommt.

Grundsätzlich würde ich in diesem Falle aber eine Unterschenkelorthese zur Stabilisierung des Sprunggelenkes und damit zur Erleichterung des Gangbildes als vorübergehende Maßnahme primär empfehlen und kann Sie lediglich bitten, sich in unserer Ganganalyseambulanz einen Termin geben zu lassen.

Ich denke, dass man mit einer solchen Orthese und zusätzlicher Krankengymnastik sicherlich das Gangbild verbessern kann, ich bin aber gerne bereit, wenn sich das Mädchen hier vorstellt, einen Blick auf den Befund zu werfen.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Döderlein
Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II

Operative Achillessehnenverlängerung
 


von Katrin Emig am 25.Feb.2002 22:45

Hallo Herr Dr. Döderlein,
unsere Tochter Laura (3 Jahre) leidet an einer spastischen Hemiparese, linksseitig.
Die ausgeprägte Spitzfußstellung wurde u.a. mit Botulinumtoxin behandelt (insges. 3x). Aufgrund einer zuvermuteten Antikörperbildung (keinerlei Auswirkung der 3. Dysport-Gabe) wurden weitere Injektionen als nicht zweckmäßig erachtet.
Momentan trägt Laura Fußorthesen nach Nancy Hilton bds. mit Unterschenkelschiene links und läuft damit relativ sicher.
Nun meine Frage:
Was halten Sie von einer operativen Achillessehnenverlängerung am linken Bein?
Vielen Dank im Voraus für Ihren Rat!
Katrin Emig

RE: Operative Achillessehnenverlängerung
 


von Dr. med. L. Doederlein am 1.Mar.2002 12:48

Sehr geehrte Frau Emig,

bzgl. der operativen Korrektur der Spitzfußstellung Ihrer Tochter Laura möchte ich Ihnen mitteilen, dass natürlich ohne Kenntnis des Kindes keine ausdeutige Auskunft möglich ist.

Prinzipiell sollte man aber mit allen Mitteln versuchen, eine Operation bis jenseits des 4. Lebensjahres aufzuschieben. So könnte durch eine Etappen-Gehgipsbehandlung vielleicht doch noch eine ausreichende Korrektur erreicht werden.

Bzgl. der Operation sollte Ihnen mitgeteilt werden, dass das Mädchen möglichst rasch, d. h. wenige Tage nach dem Eingriff wieder mit einem Gehgips versorgt werden muß und nach einer 4-wöchigen Gehgipsbehandlung möglichst für die Zeit des Wachstums mit einer Unterschenkel-Nachtlagerungsschiene versorgt werden sollte, da mit weiterem Wachstum eine erneute Spitzfußstellung droht.

Prinzipiell sollte der Spitzfuß aber unbedingt behandelt werden, da er ungünstige Auswirkungen auf das Gangbild und auf die Gelenke oberhalb davon (Kniegelenk und Hüftgelenk) hat.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Döderlein

Derotationsosteotomie
 


von Conny am 28.Jan.2002 21:33


Bei meinem Sohn (6 Jahre) wurde im Oktober eine Arthrolyse durchgeführt. (Er hat einen schweren Knick-Senk-Fuss mit starkter Außenrotation mit Spitzfusskomponente) Der Spitzfuss wurde dadurch vollständig beseitigt. Leider erscheint die Außenrotation beinahe noch stärker. Auch humpelt er seit der OP. Jetzt soll im Februar eine Derotationsosteotomie gemacht werden. Der Vorschlag kam vom Chefarzt der KLinik. Unser Orthopäde stimmte dem zu. Was wird hierbei genau gemacht?
Wie lange dauert es in der Regel bis das Bein wieder voll belastet werden kann? Welche Risiken gibt es und wie oft kommen diese vor?
Viele Fragen aber ich hoffe hier eine Antwort zu finden, da ich mit den operierenden Ärzten erst kurz vor der op noch einmal sprechen kann.

RE: Derotationsosteotomie
 


von Dr. med. L. Doederlein am 11.Mar.2002 07:48

Die Außenrotationsstellung beim schweren Knick-Senkfuß ist in den meisten Fällen durch eine Fehlstellung im unteren Sprunggelenk und nicht in der Knöchelgabel verursacht. Aus diesem Grunde ist hier auch bei entsprechender Beschwerdesymptomatik eine Korrektur im Fuß und nicht im Sprunggelenk anzusetzen. Eine reine Derotationsosteotomie ist nur bei reiner Drehfehlstellung im Knöchelgelenk und normaler Fußstellung angezeigt.

Die Korrektur durch eine Drehstellung wird im Kindesalter mit Drähten fixiert, die aus der Haut herausschauen und nach 4 Wochen entfernt werden können. Für diese Zeit hat das Kind einen Unterschenkelgips und darf nicht belasten. Für weitere 2- bis 4 Wochen wird es dann mit einem Gehgips versorgt, nachdem die Drähte nach 4 Wch. entfernt worden sind.

Das Bein kann mit dem Gips bereits nach 4 Wch. wieder belastet werden.

Dr. med. L. Döderlein

Wann OP?
 


von Sandra Kohlheyer am 25.Dec.2002 23:53

Sehr geehrter Dr. Döderlein,

unser Sohn (3,5 Jahre alt) leidet an einer spastischen Diplegie und kann seit etwa 3 Wochen einige Schritte frei laufen. Vor kurzem hatten wir ihn bei Dr. Schmidt in Ihrer Ambulanz vorgestellt. Er bekam Nachtlagerungsschienen. Von weiteren Massnahmen wurde zunächst abgeraten, weil er noch so jung sei.Botox wurde erwägt, aber das lehnen wir eher ab. Wir kennen nun einige, die doch Probleme nach Botox hatten (Inkontinenz u.a.).

Von anderer Seite (Petö-Konduktorin u. a.) ratet man uns jedoch zu einer OP - Einritzen der Sehnen (Fachbegriff fehlt mir hier leider).

Für uns ist die Entscheidung natürlich nun recht schwierig. Ein Arzt sagt so, einer so (das ist im übrigens bei jeder Entscheidung so!!!!). Deswegen meine Frage: Welche Gründe sprechen für/gegen ein Abwarten. Was sollten wir bedenken?

RE: Wann OP?
 


von Dr. med. L. Doederlein am 27.Jan.2003 10:43

Sehr geehrte Frau Kohlheyer,

der Zeitpunkt für eine Operation ist bei spastischer Diplegie am günstigsten um die Einschulung, da man zu diesem Zeitpunkt die motorische Entwicklung am besten abschätzen kann. Wird vorher operiert, besteht ein höheres Risiko, dass man die Muskelverlängerung zu viel oder zu wenig durchführt. Gerade deshalb ist die Botulinumtoxinbehandlung, die ja nur vorübergehend wirkt und sehr gut dosiert werden kann, eine günstige Alternative. Sollte Botulinum nicht gewünscht oder vertragen werden, kann man auch mit Gipsen eine ähnliche Wirkung erzielen. Die Gipse werden für 2 x 2 Wochen hintereinander angelegt.

Die einzige Ausnahme, ein Kind früher zu operieren, besteht in einer Verschlechterung der Hüftsituationen oder beginnenden fixierten Muskelverkürzungen, was aber bei gehfähigen Kindern in diesem Alter noch sehr selten ist.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

Verschlechterung in der Pubertät
 


von Eva Dettingmeijer am 6.Dec.2002 13:13

sehr geehrter Dr. Döderlein,
meine Schwester (14) hat Cerebralparese und macht deshalb seit ihrer Geburt Krankengymnastik. Nun wird ihr linker Fuß immer schlechter und vor einer Woche haben wir erfahren, dass es normal ist, dass sich die Situation während der Pubertät verschlechtert und dass sie operiert werden sollte, sonst würde sie im Rollstuhl landen. Sie ist natürlich völlig fertig. Seit ein paar Monaten bekommt sie auch Botox gespritzt, das zeigt aber noch keine Wirkung. Wie dringend ist eine OP? Wo könnte sie durchgeführt werden? Wo bekomme ich Informationen darüber, am besten von verschiedenen Fachleuten? Angeblich sei die beste Klinik am Chiemsee. Wir wohnen in Frankfurt.
Freundlich grüßend, Eva Dettingmeijer

RE: Verschlechterung in der Pubertät
 


von Dr. med. L. Doederlein am 27.Jan.2003 08:45

Sehr geehrte Frau Dettingmeijer,

es ist nichts ungewöhnliches, wie Sie bereits festgestellt haben, dass sich durch die Spastik Fehlstellungen verschlechtern. Die Gabe von Botulinumtoxin ist in diesem Alter nicht sehr wirksam, man kann es wohl einmal versuchen, wenn aber keine wesentliche Verbesserung eintritt, sollte man sich eher mit einer Operation auseinandersetzen.

Der operative Eingriff einer Fußdeformität ist bei spezialisierten Einrichtungen nicht sehr groß, wenn es um eine reine Muskelverlängerung geht, erhält die Patientin etwa für 1 Woche einen Unterschenkel-Liegegips und für weitere 4 Wch. einen Unterschenkel-Gehgips.

Wenn man den Knochen mitoperieren muß, verlängert sich die Gipsbehandlung auf 4 Wochen Liegegips und 4 Wochen Gehgips. Anschließend ist eine Schienenversorgung für etwa 1 Jahr erforderlich, um den Fuß beim Belasten zu schützen.

Leider gibt es nur wenige spezialisierte Kliniken, und nach meiner Kenntnis versorgt die Klinik in Aschau in Chiemsee die Patienten über viele Wochen mit Liegegipsen oder Apparaten stationär. Leider sind unsere Wartezeiten länger, so dass ich Ihnen nur empfehlen kann, wenn Sie sich nicht bei uns vorstellen können, sich in der orthopädischen Klinik in Rummelsberg bei Nürnberg bei Herrn Dr. Manolikakis oder in der spezialisierten Abteilung bei Herrn Dr. Senst in Arnstadt in Thüringen vorzustellen.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. Döderlein

Mehretagenkorrektur bei spastischer Diplegie
 


von Celine Kern am 26.Nov.2002 20:19

Sehr geehrter Herr Dr. Döderlein,
wir waren im Mai und Juli in Ihrer Ambulanz. Bei der Untersuchung im Mai wurde eine Mehretagenkorrektur im Sinne einer suprakondylären Derotationsosteotomie des Femus bds. verbunden mit einem Rectustransfer bds. intramuskulären Verlängerung usw. besprochen.
Im Juli waren wir dann zu Botox bei Ihnen.
Nun habe ich meine Tochter zur OP angemeldet, weil in Ihrem Schreiben steht, daß vor der Einschulung diese OP notwendig ist. Am 08. Januar 2003 haben wir nun wieder Termin in Ihrer Ambulanz. Wäre es möglich da mit Ihnen zu sprechen? Ich weiß bis jetzt noch nicht ob ich meiner Tochter die Strapazen und Schmerzen zumuten soll und kann. Was passiert wenn der die OP doch nicht den gewünschten Erfolgt bringt. Sitzt dann meine Tochter im Rolli. Keiner kann mir eine fundierte Antwort geben, überall nur Schweigen.
Ich hoffe Sie können mir Auskunft darüber geben.
Bei den Erfahrungsberichten habe ich die Geschichte eines 18-jährigen Mädchens gelesen, das dieselbe Behinderung hat wie meine Tochter. Dieser Bericht gibt einem ein wenig Mut.
Für eine Anwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Vielen Dank.
C.Kern

RE: Mehretagenkorrektur bei spastischer Diplegie
 


von Dr. med. L. Doederlein am 28.Nov.2002 07:28

Sehr geehrte Familie Kern,

vielen Dank für Ihr Schreiben bzgl. der Unsicherheit der hier gestellten OP-Indikation. Prinzipiell ist dazu zu sagen, dass der empfohlene Eingriff natürlich nicht lebenswichtig ist, dass aber mit weiterem Wachstum eine Verschlechterung der Gehfähigkeit auch unter konservativer, d. h. krankengymnastischer Therapie gerechnet werden muß.

Die empfohlene Operation dient einer Harmonisierung der Beinachsen und einer Erleichterung der vorhandenen Funktionen. Die Gefahr, dass sich damit eine Verschlechterung einstellt, ist extrem gering. Die Eingriffe sind standadisiert und nach exakter Planung mit einer instrumentellen Ganganalyse auch sicher in einer Sitzung (d. h. 1 Operation) durchzuführen.

Die frühfunktionelle Nachbehandlung beinhaltet nur eine relativ kurze Gipsruhigstellung für die Beine, lediglich für die Füße ist eine Unterschenkel-Gipsbehandlung, je nach durchgeführter Operation von 4- bis 8 Wochen notwendig, wobei spätestens nach 4 Wochen bereits mit der Belastung und mit dem Gehtraining begonnen werden kann.

Die Korrektur der Einwärtsdrehfehlstellung durch die sogenannte Derotationsosteotomie des Oberschenkelknochens ist nicht mit einer speziellen Gipsruhigstellung zu verbinden, da die Fixierung der Knochen so stabil ist, dass eine frühe Nachbehandlung ermöglicht werden kann.

Ich denke, Sie sollten sich die anstehenden Fragen alle notieren, dass wir sie im Januar gemeinsam besprechen. Ich selbst bin am 8. Jan. im Hause, kann aber voraussichtlich erst nach 15.00 Uhr in die Ambulanz kommen.

Mit freundlichen Grüssen und den besten Wünschen für Weihnachten und den Jahreswechsel bin ich Ihr

Dr. med. L. Döderlein

Nervenschmerzen nach Operation ?
 


von Andreas Kugel am 23.Sept.2002 22:29

Sehr geehrter Herr Dr. med. Döderlein,
meine Tochter Anna (15 Jahre) ist vor kurzem operiert worden.
Sie ist an ICP erkrankt und konnte nie frei laufen.
Im Laufe der letzten jahre hat sich ihr Bewegungsmuster deutlich verschlechtert.
Zwei Botulinum Toxin Behandlungen (Klinikum Duisburg, Dr. Heinen) erbrachten erwartungsgemäß nicht den gewünschten Erfolg, jedoch eine kurzfristige Besserung, so das eine Operation (Uniklinik Essen, Dr. Hövel) angeraten war.
Es wurden die Sehnen in der Kniebeuge und die Achillessehne verlängert. Weiterhin sind die Adduktoren durchtrennt worden.
Die Operation erfolgte beidseitig. Nach der Operation hatte Anna große Schmerzen, die sich im Laufe der Zeit legten.
Ein pieksender Schmerz tritt jedoch in den Füßen auf. Dieser Schmerz ist nicht ständig da, sondern tritt in unregelmäßigen Abständen auf.
Die behandelnden Arzte führen dies ggf. auf die Nerven zurück, die durch die Operation gestreckt wurden.
Haben Sie Erfahrungen wie lange dies Schmerzen eventuell andauern können?
Die OP ist noch sehr frisch, denn Anna liegt noch im Gips! Dieser wird am Mittwoch, den 25.09 entfernt. Anschließend geht Anna zur Reha.
Welche zusätzlichen Ratschläge können Sie im Bezug zur Reha geben?

Bisher sind wir bei den behandelnden Ärzten meines Wissens in guten Händen, wollen aber trotzdem weitere Informationen zu diesem Thema sammeln.

Mit freundlichem Gruss
Andreas Kugel

RE: Nervenschmerzen nach Operation ?
 


von Dr. med. L. Doederlein am 30.Sept.2002 11:30

Sehr geehrter Herr Kugel,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Bei ausgeprägten Verkürzungen der Kniebeuge-muskeln kommt es nicht selten vor, dass nach einer Operation als Folge der Gipswechsel, um die Kniegelenke voll zur Streckung zu bringen, Nerven gedehnt werden. Dieses Ereignis ist sehr unangenehm, da der Patient damit natürlich auch bei gestreckten Kniegelenken nicht befriedigend belasten kann.

Da Ihre Tochter bereits auch schon 15 J. alt ist, kann ich mir vorstellen, dass dies der Grund ist. Ich kann nur empfehlen, eine neurologische, d. h. nervenärztliche Untersuchung der Muskulatur und der Nerven im Unterschenkel- und Fußbereich durchzuführen um hier eine Nervenschädigung zu diagnostizieren und eine Ausgangsbasis für weitere Erholung zu haben.

Grundsätzlich sollte man auch mit weiterem Dehnen der Kniekehlen, wenn die Nerven bereits Probleme machen, vorsichtig sein. Da ich aber den Fall exakt nicht kenne, kann ich mich dazu nur allgemein äußern.

Bezüglich der Rehabilitation empfehle ich dringend, dass das Mädchen bei gestreckten Beinen mit Oberschenkelorthesen mit sperrbaren Kniegelenken versorgt wird, denn sie muß erst über viele Monate lernen, das Kniegelenk aktiv wieder zu strecken.

Bezüglich der Rehaeinrichtung wäre in Ihrer Nähe die St. Maritius-Klinik bei Düsseldorf eine mögliche Anlaufstelle.

Mit freundlichen Grüssen
bin ich Ihr

Dr. med. L. Döderlein

Baumann-Operationstechnik
 


von Elmar Marquardt am 20.May.2003 20:18

Mein Sohn (14) leidet an einer Diparese.
Durch sein Wachstum und der damit verbundenen
Muskelverkürzung hat sich sein Gangbild sehr verschlechtert. Nun wurde uns von Prof.R. Krauspe (Orthopädische Klinik Uni Düsseldorf),den ich persönlich aus seiner Zeit in Würzburg kenne, zu einer Operation nach Baumann ( nach einer Ganganalyse)geraten. Leider hat er uns aus Zeitgründen nicht viel dazu erklärt. Befürworten sie diese Methode?
Meine Frau und ich haben uns noch nicht entschieden, denn wir sind jetzt erst auf
ihre Adresse gestoßen.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

RE: Baumann-Operationstechnik
 


von Dr. med. Döderlein, Leitender Oberarzt d. Abt. Orthopädie II am 3.Jun.2003 07:37

Sehr geehrter Herr Marquardt,

vielen Dank für Ihre Anfrage bzgl. der Baumann-Operationstechnik. Bei dieser OP-Technik handelt es sich um eine Verlängerung der Wadenmuskulatur, bei der die beiden sehnigen Oberflächen der beiden Wadenmuskeln etwa in der Mitte der Wade eingekerbt werden. Diese Operation ist bei leichtgradigen Spitzfüßen angezeigt, wegen häufig begleitender Verkürzung der Kniebeugesehnen ist sie aber nur selten als alleiniger Eingriff sinnvoll, da bei gleichzeitig bestehenden Kniebeugerverkürzungen nach dieser Operation das Risiko von Hackenfüßen besteht.

Prinzipiell ist diese OP-Methode deutlich schonender als die Achillessehnen-Verlängerung, bei der das Risiko von Hackenfüßen sehr groß ist.

Mit freundlichen Grüssen
Dr. med. L. Döderlein

OP Spastischer Knickfuß
 


von Christine am 15.Dec.2003 17:05

Hallo,

ich habe eine Frage an Herrn Dr. Döderlein.

Mein Sohn (im Januar wird er 9) leidet seit seiner Geburt an ICP (beinbetonte Tetraspastik). Er krabbelt und kann mit einem Posteriorwalker laufen.

Seine Kniebeuge-, Hüftbeuge- und Wadenmuskulatur ist deutlich verkürzt. Ferner hat er einen deutlichen spastischen Knickfuß (li+re).

Von zwei Orthopäden wurde uns eine Mehretagen OP (Verlängerung Waden-, Hüft- und Kniebeugemuskulatur) empfohlen.

Bezüglich dem spastischen Knickfuß haben wir zwei vollkommen entgegengesetzte Meinungen erhalten.

Ein Orthopäde empfiehlt die operative Knickfußkorrektur durch eine Calcaneusverlängerung nach Evans) jetzt bzw. vor dem 12. Lebensjahr.

Der andere rät von einer operativen Knickfußkorrektur z. Z. ab und möchte diese erst im Alter von etwa 14 Jahren durchführen (allerdings mit einer anderen Technik).

Meine Fragen:

1. In welchem Alter führen Sie eine operative Korrektur des spastischen Knickfußes durch?
2. Mit welcher OP Technik wird dieser dann korrigiert?
3. Wie sind die langfristigen Erfolge?

Vielen Dank im voraus.

Gruss
Christine

RE: OP Spastischer Knickfuß
 


von Markus Butz am 15.Dec.2003 20:34

Hallo Christine!
Ohne den Ausführungen von OA Dr. Döderlein vorweggreifen zu wollen, kann ich von meiner Seite aus berichten, dass die OP nach Evants meine Knick-Füße sehr gut korrigiert hat. Bei mir ist diese Operation in einer Mehr-Etagen-Korrektur mitgemacht worden, als ich 16 war. Natürlich führt nur das gesamte, gut geplante operative Programm zum Erfolg. Dennoch bin ich froh, dass an den Füßen diese Technik gewählt wurde, weil dabei eben nicht das untere Sprunggelenk versteift wird wie bei der OP nach Grice Green. Die genaue Indikationsstellung sollte natürlich von einem erfahrenen Operateur getroffen werden. Ich kann nur sagen, dass bei mir der Verlauf fast (s.u.) komplikationslos war, und heute, neun Jahre nach der OP sind die Füße immer noch stabil und man sieht die Operationsnarben am Fuß nicht mehr, wenn man es nicht weiß, wie sie verlaufen. Damals war Heidelberg die einzige Klinik, die bei mir diese Technik anwenden wollten. Alle anderen wollten das untere Sprungelenk versteifen. Gut, dass das mittlerweile auch woanders gemacht wird.
Einen negativen Aspekt muss ich dazu aber doch bemerken: Für die Calcaneus-Verlängerung wird ein Knochenspan verwendet, der bei mir am Rücken aus dem Beckenkamm entnommen worden ist. Das bereitet mir heute noch Probleme in Form von Rückenschmerzen. Es gibt dazu heute angenehmere Alternativen. Die Entnahme vorne am Becken (Spina iliaca) soll mit weniger Schwierigkeiten verbunden sein. Bei einer zweiten OP, die bei mir gemacht wurde, konnte man benötigtes Knochenmaterial aus dem Oberschenkelknochen beidseits entnehmen. Das war natürlich besser.
In der Hoffnung, ein paar hilfreiche Tipps losgeworden zu sein,
Markus.

Deroationsosteotomie
 


von Conny am 18.Nov.2003 10:11

Es gibt zu diesem Thema schon einen Thread in diesem Forum, aber leider steht der ja schon ziemlich weit hinten, also öffne ich hierzu nochmal einen Neuen. Wer die vorherigen Beiträge lesen möchte, die stehen auch unter dem Thema Deroationsosteotomie (Suchfunktion). Also hier nochmal mein Anliegen:

Leider muss die DO nun doch gemacht werden. Wir hatten ja vor knapp 2 Jahren schon mal einen OP-Termin welchen wir absagten. Bis jetzt hat mein Sohn eine Orthese getragen, die vom Oberschenkel bis einschließlich Fuß ging. Außerdem noch KG. Doch die Außenrotation ist immernoch nicht besser geworden. Mittlerweile läuft er schon etwas schief dadurch. Unser Orthopäde meinte, dass die anderen Gelenke zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Nun hätte ich noch ein paar Fragen, da wir noch keine OP-Termin und demzufolgen noch keine genaue OP-Besprechung hatten. Ist es besser das Bein danach mit einem Fixateur oder einer Platte zu stützen? Mein Sohn wird Anfang des Jahres 8 Jahre alt und ich bin mir nicht sicher, ob durch einen Fixateur die Unfallgefahr zu groß wäre. Wie verläuft im allgemeinen die Genesung, insbesondere bei Kindern? Ab wann kann das Bein in welchem Maße wieder belastet werden? Welche Risiken birgt die OP? Viele Fragen aber ich hoffe trotzdem ein paar Antworten zu bekommen.

Viele Grüße Conny

RE: Deroationsosteotomie
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 12.Dec.2003 11:52

Das Problem der Einwärtsrotation läßt sich durch keine Art von Orthesen oder Krankengymnastik befriedigend lösen. Grundsätzlich sollte das Bein ohne Gips behandelt werden und es sollte angestrebt werden, dass der Patient nach wenigen Tagen wieder sitzt. Ein Patient mit 8 Jahren kann im allgemeinen nach einer Operation mit Plattenfixierung nach 1- bzw. spätestens nach 2 Wochen wieder mit dem Stehen und Laufen beginnen, die Fixteur-Ruhigstellung hat den einen Vorteil, dass man keinen zweiten Eingriff braucht, um das Metall zu entfernen, den Nachteil aber, dass die Heilung des Knochens deutlich langsamer vonstatten geht und vor allem, dass die Nägel, die den Fixateur verbinden, durch die Muskulatur in den Knochen gehen und damit die Kniegelenksbeweglichkeit im allgemeinen schlechter ist als bei Plattenfixierung.

Grundsätzlich sollte aber mit der alleinigen Derotation bei Kindern mit Zerebralparese sehr vorsichtig umgegangen werden, es ist immer auch nach exakter vorheriger Analyse möglichst durch 3-dimensionale Bewegungsanalyse die Beteiligung der Nachbarglenke und die Dosierung einer meist zusätzlich notwendigen Muskeloperation festzulegen.

Vielen Dank und viele Grüsse
Dr. med. Döderlein

Hüftsubluxation bei spastischer Diplegie
 


von Dr. Claudia Kolletzki am 11.Aug.2003 15:50

Sehr geehrter Herr Prof. Döderlein,
bei unserem jetzt gerade 2-jährigem Sohn (7/2001) ist vor einem Jahr eine Diplegie diagnostiziert worden. Er bekommt Therapie nach Vojta, Bobath und reitet. Er hat schnelle Fortschritte gemacht, robbt alternierend, sitzt im Langsitz (mit einer Hand als Stütze), sitzt im Stuhl, beginnt im Häschensprung zu krabbeln. Seit seinem 18. Monat macht die Bobath-KG Steh- und Laufübungen mit ihm, er übernimmt Gewicht sehr gut und steht bis zu einer Stunde mit Festhalten bei den Übungen. Er macht erste Schritte, wenn man ihn hält (allerdings überkreuzt er in letzter Zeit mit dem rechten Fuß). Dies haben wir Zuhause jeden Tag fortgeführt, ca.30 min. Seit Mai hat er einen Stehständer, in dem er täglich ca. 1 Stunde steht. Er hat keinen Spitzfuß, die Spastik konzentriert sich weitgehend auf die Adduktoren (bes. rechts) und die Ischiocruralen. Die Spastik in den Beinen ist seitdem er steht stärker geworden (er hatte vorher keine Überkreuzungstendenz)Bei der Röntgen-Untersuchung der Hüften hat sich nun herausgestellt, dass die rechte Hüfte zu 30 Prozent subluxiert ist. Seine Vojta Therapeutin hatte uns damals dringend gewarnt und gesagt, es sei besser, noch ein halbes Jahr mit der Vertikalisierung zu warten. Mich interessiert Ihre Meinung dazu, 1. wie es zu Subluxationen der Hüfte kommt und 2. welche Maßnahmen man nun am besten ergreift, um den Zustand möglichst zu erhalten und nicht noch zu verschlimmern. Wie hat sich Botox bei dieser speziellen Indikation bewährt (Schonung der Hüfte)?

Im Voraus vielen Dank für Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Claudia Kolletzki

RE: Hüftsubluxation bei spastischer Diplegie
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 13.Aug.2003 10:25

Sehr geehrte Frau Kolletzki,

die Subluxationsstellung der Hüftgelenke bei spastischer Diplegie hat primär ihre Ursache in einer vermehrten Aktivierung der Hüftanspreiz- und -beugemuskeln. Die Vorstellung, dass die Vertikalisierung eine Verschlechterung der Hüftgelenke verursacht, ist durch keine objektive Arbeit belegt, im Gegenteil, eine Vertikalisierung ist durchaus ein positiver Reiz für die Hüftgelenke, wenn sie nicht exzessiv durchgeführt wird.

Als wichtigste Maßnahmen, um eine weitere Verschlechterung der Hüftgelenke zu vermeiden, sind neben der Krankengymnastik mit Dehnung der Hüftadduktoren eine Botulinumtoxin-Infiltration der Adduktoren und des M. psoas, sowie eine entsprechende Lagerungsbehandlung durch einen zugerichteten Schaumstoffkeil notwendig.

Nur durch eine konsequente Fortsetzung dieser 3 Behandlungsmaßnahmen (Krankengymnastik, Botulinum und Lagerung), wobei die Botulinumtoxingabe in etwa 3- bis 5-monatigen Abständen wiederholt werden muß, läßt sich eine kurzfristige Verschlechterung der Hüftsituation aufhalten.

Mittelfristig wird man aber in den meisten Fällen dann doch operativ tätig werden müssen, man versucht den Zeitpunkt hierfür aber soweit aufzuschieben, bis sich abzeichnet, was die Kinder an funktionellen Reserven ausschöpfen können.

Im Allgemeinen wird man etwa bis zum Einschulungsalter warten.

Viele Grüsse,
Dr. med. L. Döderlein

Operation der Füße
 


von Daniel Preuß am 16.Mar.2004 20:55

Sehr geehrter Herr Dr Döderlein,

bei mir wurde im Alter von 7 Jahren eine Achillissehenverlängerung durchgeführt nun bin ich 27 Jahre und würde mich gerne nochmal operieren lassen. Meine beiden Füße stehen stark nach außen das behindert mich beim laufen doch sehr und Fahrradfahren auf dem Heimtrainer kann ich auch nicht weil meine Füße immer von der Pedale rutschen.

Kann man diese Fehlstellung der Füße durch eine Operation noch beheben oder macht das in meinem Alter keinen Sinn mehr?

Ist es normal das durch die Verlängerug der Sehnen senk, platt und Spreitzfüße entstehen?
Ich trage seit 2 Jahren Unterschenkelorthesen die mir das laufen etwas erleichtern leider habe ich auch einen sehr starke Kniebeugekontraktur deshalb kann ich nur kurze Strecken laufen für längere Strecken bin ich auf den Rollstuhl angewiesen

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Preuß

RE: Operation der Füße
 


von Dr. med. Döderlein, Ltd. Oberarzt Abt. Orthopädie II am 24.Mar.2004 09:02

Lieber Herr Preuß,

ohne genaue Kenntnis Ihres Befundes ist es sicherlich nicht leicht, hier eine vernünftige Antwort zu geben. Selbstverständlich kann man das Nach-außen-Drehen der Füße beheben, grundsätzlich ist aber, wenn auch die Knie gebeugt sind, immer auch auf dieser Etage eine Korrektur vorzunehmen.

Da die Probleme somit aber auf mehreren Etagen, d. h. zumindest in Höhe der Knie und Fußgelenke lokalisiert sind, kann man nur durch exakte Planung eine erfolgversprechende Behandlung einleiten. In aller Regel ist hierzu neben der klinischen Untersuchung auch eine Ganganalyse notwendig.

Sie sollten sich also gelegentlich bei einem Spezialisten vorstellen, um hier die weiteren Therapiemöglichkeiten zu besprechen.

Viele Grüße
Dr. med. Döderlein