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Forum Infantile Cerebralprarese

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Neurologisch / pädiatrisch

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Fragen und Antworten zu neurologischen Befunden

Zerebrale Ataxie
 


von Ulrike Engl am 23.Aug.2002 22:33

Hallo,
unser Sohn Jonas wird am 12.09.02 zwei Jahre alt und hat sehr große Probleme mit dem Gleichgewicht.
Jonas ist zum errechneten Termin am 12.09.2000 geboren, jedoch unter erschwerten Umständen. Er erlitt eine bzw. mehrere Gehirnblutungen, die größte von 2,8 cm Durchmesser war im Kleinhirn. Wir waren sechs Wochen im Krankenhaus, zu Hause ging es ihm dann von Tag zu Tag besser. Er war sehr stark hypoton, konnte bis zu sechs Monaten den Kopf nicht heben und krabbeln konnte er erst mit einem Jahr. Dann ging auch das sitzen plötzlich. Seit er 1 1/2 Jahre alt ist, geht er an Möbel entlang, muß sich aber immer einhalten. Gehen kann Jonas nur, wenn man ihn an beiden Händen führt. Frei stehen kann er auch noch nicht. Er klettert auf die Couch, macht eigentlich (bis aufs laufen) alles wie gesunde Kinder. Er steckt voller Bewegungsdrang. Jonas hat auch kein auffälliges EEG oder eine Spastik. Von der Feinmotorik ist Jonas noch nicht ganz so geschickt! Er versucht, Wörter nachzuplappern, aber er bringt nur ein paar Buchstaben richtig über die Lippen. Verstehen und hören tut er sehr gut.
Jonas bekommt KG nach Bobath und Frühförderung.
Können Sie mir sagen, ob es eine andere Therapiemöglichkeit gibt, damit er mehr Gleichgewicht bekommt? Muß Jonas sprachlich gefördert/behandelt werden? Wer kann uns weiterhelfen? Ich würde mich sehr auf eine Antwort von Ihnen freuen!
Ulrike Engl

RE: Zerebrale Ataxie
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruland, Universitäts-Kinderklinik Heidelberg am 29.Aug.2002 12:31

Sehr geehrte Frau Engl,
die Stand-und Gangunsicherheit ihres Sohnes Jonas ist Folge der erlittenen Gehirnblutung. Vor allem ist die Kleinhirnblutung anzuschuldigen, da das Kleinhirn hauptsächlich für die Tonus-und Gleichgewichtskontrolle verantwortlich ist. Wenn bei gutem Sprachverständnis Artikulationsprobleme der Entwicklung der aktiven Sprache zu Grunde liegen, kann das auch mit der Kleinhirnblutung zusammenhängen.
Die Störungen der aktiven Sprachentwicklung können aber sehr vielfältig sein. Auf jeden Fall sollte eine fachärztliche Hörprüfung durchgeführt werden, um eine Schwerhörigkeit sicher auszuschließen.
Bobath-Therapie ist bei den geschilderten motorischen Schwierigkeiten genau richtig! Lassen Sie Jonas im vertrauten Umfeld mit den alltäglichen Gegenständen üben und sich zurechtfinden.
Sollte die aktive Sprachentwicklung trotz bewusster Förderung zu Hause (viel gemeinsames Bilderbuch anschauen) nicht in Gang kommen, empfehle ich die Vorstellung bei einer Logopädin mit Erfahrung mit jungen Kleinkindern.
Mit freundlichen Grüßen
Dr.I.Rauterberg-R.

RE: Zerebrale Ataxie
 


von Dr. med. Döderlein am 12.Sept.2002 13:21

Sehr geehrte Frau Engel,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Schädigung des Kleinhirnes führt häufig zur zerebralen Ataxie mit Verminderung der Muskelspannung und Gleichgewichtsproblemen. Ich denke, dass die regelmäßige Krankengymnastik von entsprechend kompetenter Seite her die günstigste Therapie darstellt, eine Verbesserung des Gleichgewichtes und der statomotorischen Funktionen zu erreichen.

Unterstützen könnte man dies durch ggf. anzuschaffende Bleimanschetten für die Knöchel und eine Schuhsohlen- und Absatzverbreiterung, um die Standbasis zu vergrößern.

Mit freundlichen Grüssen bin ich Ihr
Dr. med. L. Döderlein

 

 

Gehirnblutung
 


von Regina Hoffmann am 7.Aug.2002 13:42

hallo!
Ich hätte da mal eine genaue Frgae, was das alles genau zu bedeuten hat:
Es steht bei uns im Bericht:Schädelsonographie:Keine Verschiebung der Mittelinie:Balken und Kleinhirn sind nicht darstellbar.Gegenüber einer Voruntersuchung im März ist eine Weite des 3 Ventrikels deutlich progredient:CTR rechts 23mm, CTR links 51mm!Das 8 monate Kind wurde uns mit perzentilenflüchtigem Kopfumfangswachstum vorgetellt:Bei alterskorrigierter Auftragung ergibt sich zunächst ein Sprung des Kopfumfangs in den ersten Lebenswochen von 50 auf die 90.Perzentile, dann eine perzentilenparallele Entwicklung des Kopfumfangs entlang der 90.Perzentile:Bei der letzten Kopfuntersuchung geringwe Größenzunahme(75.Perz):
Das verstehe ich nicht, was das zu bedeuten hatte, das Schreiben ist vom 21.5.2001 da war Lukas 8Monate alt, geboren wurde er am 23.09.2000, und war in der 25 SSW gekommen!
Ich hoffe sie können mir helfen!
Das was sie mir geschrieben hatten wegen dem MRT, das wollen wir schon die ganze Zeit, aber die Ärzte sagen dafür bestehe kein Grund, aber es wurde jezt schon über 1Jahr keine Untersuchungen mehr am Kopf unternommen, und er hatte ja die starke Blutung gehabt, Außerdem kann man doch mit dem Mrt genauer sehen, was genau kaputt gegangen ist, und was sich schon eventuell verbessert hat ,ob da doch so einiges sich wieder repariert hat!Laut den Ärzten sollte Lukas geistig und körperlich schwersbehindert sein, aber er hat sich zum Glück besser entwickelt, wir turnen ganz fleißig nach Vojta, wodurch er immer mehr bewegungen zeigt,haben sie ein SPZ, wo man mit Lukas hinkommen könnte, wir waren noch nicht im SPZ, aber das würde uns bestimmt weiterhelfen!Könnte die Eltern dort auch bleiben, und wie lange müsste man bleiben?????
Wir kommen aus dem hohen Norden, und es wäre uns egal diese weite Strecke zu fahren, aber es ist umbedingt wichtig, das sich Lukas Spezialisten mal anschauen, und uns auch mal richtig aufklären könnten, wie es um ihn steht, und was man alles noch für Lukas besserung machen könnte!
Wir sind hier auf dem Dorf, und die Ärzte sagen immer nur wir müssen abwarten, aber das wollen wir nicht, und es gibt so viele möglichkeiten wie zb, Schiene für die Spastik ,Gift spritzen usw!
Bitte helfen sie uns, die Ärzte hier oben, haben mit sowas leider keine Erfahrungen!
Ich hoffe sie helfen uns!#
Liebe Grüße Regina Hoffmann!

RE: Gehirnblutung
 


von Frau Dr. med. I. Rauterberg-Ruland, Universitäts-Kinderklinik Heidelberg am 7.Aug.2002 17:54

Sehr geehrte Frau Hoffmann,
Die Ultraschalluntersuchung ihres Sohnes im Alter von 8 Monaten wurde wegen des Verdachts auf eine Zirkulationsstörung des Nervenwassers durchgeführt. Der Kopfumfang hatte damals zu rasch zugenommen. Nachdem der Kopf aber nicht mehr so stark weiter gewachsen ist, hat sich diese Sorge nicht bestätigt. Trotzdem ist, wie gesagt, eine MRT-Untersuchung nach der Blutung und bei einer Entwicklungsverzögerung des Kindes im Alter von 2 Jahren jetzt gerechtfertigt und zu empfehlen.
Es ist immer ratsam ein Kind mit Entwicklungsproblemen kinderneurologisch mitbetreuen zu lassen. Die Beratungen und Untersuchungen im sozial-pädiatrischen Zentrum (SPZ) sind überwiegend ambulant. Nur bei manchen Untersuchungen sind kurze stationäre Aufenthalte nötig. Fragen Sie Ihren Kinderarzt nach dem ihrem Wohnort nächstliegenden SPZ oder der nächsten Kinderklinik mit neurologischer Abteilung. Es gibt z.B ein SPZ in Kiel an der Uni Tel 0431/597/1653, in Hamburg die Klinik für Kinder und Jugendmedizin an der Uni und in Lübeck die Klinik für Kinder und Jugendmedizin an der Uni, um nur einige zu nennen.
Dort werden Sie erfahrene Ärzte finden. Eine sehr wohnortferne Betreuung ist nicht ratsam und nicht erforderlich.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Dr.I.Rauterberg-R.

Gehirnblutung Grad III bis IV !
 


von Regina Hoffmann am 5.Aug.2002 09:10

Schönen guten Morgen!
Ich habe ein en Sohn der in der 25SSW zur Welt kam, er hatte eine starke Blutung auf der linke Seite zwischen III und IV!
Im ertsen Jahr wurden Ultrallschaluntersuchungen gemacht, aber seid einem Jahr wird überhaupt nichts mehr gemacht, wir möchten das mal ein EEg oder ein MRT gemacht wird, weil das bei lukas noch nicht gemacht wurde!
Er brauchte auch keinen Shunt, und der kinderarzt sagt, man bräuchte es nicht zu untersuchen, weil es ihm ja gut geht, aber es können doch noch krämpfe auftreten, und man kann doch auf dem EEG doch sehen, ob er dafür schon anzeichen zeigt!
Sein Kopf ist normal gross, aber ich möchte einfach auch mal sehen, was nun aus der Starken Blutung geworden ist!Kann ich es verlangen, das man uns eine Überweisung geben muss?????
Ich finde es sehr schade, das man im Krankenhaus, so viel Unterstützung bekommt, wenn die Babys noch so klein sind, aber wenn man das Krankenhaus verläßt, ist man leider total auf sich alleine gestellt und keiner will mehr helfen!
Da wir auf dem Dorf leben, haben die meisten Ärzte sowieso keine Erfahrungen mehr, und wir können nicht jedes mal in die Uni-Klinik nach Lübeck fahren!
Ich hoffe sie können mir helfen!
Gruss Regina und Lukas 23.09.2000 25SSW 950g!

RE: Gehirnblutung Grad III bis IV !
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruland, Universitäts-Kinderklinik Heidelberg am 6.Aug.2002 18:54

Sehr geehrte Frau Hoffmann!

Gerne antworte ich auf Ihre Anfrage vom 5.8.02.bezüglich weiterer Verlaufskontrollen durch Bildgebung nach einer höhergradigen Hirnblutung bei Ihrem Sohn Lukas.
Solange die Fontanelle noch offen ist, genügt in der Regel die Ultraschalluntersuchung des Schädels. Sie geht schnell und ist nicht eingreifend. Wenn die Fontanelle zu oder sehr klein geworden ist, ist die Aussagekraft dieser Untersuchung gering. Deshalb ist bei älteren Kindern nach einer schweren Komplikation in der Neugeborenenzeit eine MRT-Untersuchung sinnvoll, besonders wenn die Entwicklung wie in Lukas Fall verzögert ist und auch Zeichen einer Bewegungsstörung vorliegen, die beide Beine betrifft - wie ich aus Ihrer Anfrage vom 27.7. entnehme. Ab dem Alter von 2 Jahren ist außerdem ein gewisser Abschnitt in der Hirnreifung erreicht, sodaß auch über diesen Aspekt Informationen möglich sind. Allerdings muß Lukas für die Untersuchung ein Beruhigungsmittel erhalten, weil er still liegen muß.
Eine EEG Untersuchung hat nur sehr bedingt Aussagekraft hinsichtlich der Prognose, sodaß die Indikation für diese Untersuchung am ehesten der Verdacht auf Anfälle ist, oder die Behandlungs-u. Verlaufskontrolle bei Epilepsien.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. I.Rauterberg-R

Periventrikuläre Leukomalazie
 


von Beyer, Grit am 19.Jul.2002 22:48

Bei unserem Sohn wurde als Ursache für eine spastische Diparese eine periventrikuläre Leukomalazie gefunden. Wer ist so nett und erklärt uns, was das ist. In etwa einer Woche sind wir zur endgültigen nachstationären Befundbesprechung. Welche Fragen sollten wir unbedingt stellen, um genau herauszubekommen, wie stark unser Sohn betroffen ist? Danke.

RE: Periventrikuläre Leukomalazie
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruland, Universitäts-Kinderklinik Heidelberg am 23.Jul.2002 17:42

Liebe Frau Beyer,
die PVL oder periventrikuläre Leukomalazie ist die Folge eines Sauerstoffmangels oder einer Druchblutungsstörung ganz typisch für das unreife Gehirn des Frühgeborenen. Periventrikulär heißt "neben den Ventrikeln". Die Ventrikel sind die Hirnkammer. Leukomalazie heißt Erweichung der weißen Substanz. In der weißen Substanz verlaufen die Fortsätze des ersten Motoneurons (motorische Nervenzelle), das für die Willkürbewegungen verantwortlich ist. Unmittelbar an die Ventrikel angrenzend verlaufen die Bahnen für die Beine, daneben erst die für die Arme, Die Schädigung kann entstehen um den Zeitpunkt der Geburt herum, aber auch unbemerkt bereits vor der Geburt im Mutterleib. Diese Stelle neben den Seitenventrikeln ist ganz besonders empfindlich, weil sie 1. in der Grenzzone von zwei Gefäßversorgungsgebieten liegt und 2. dort in dieser Phase der Hirnentwicklung ein besonders hoher Sauerstoffbedarf besteht. Durch die Schädigung entstehen in der weißen Substanz mehr oder weniger große Cysten, die später in den Seitenventrikel mit einbezogen werden, sodaß die Wand des Seitenventrikels unregelmäßig und zipfelig ausgezogen erscheint, und die Seitenventrikel erweitert sind. Natürlich gibt es unterschiedliche Schweregrade, einseitige oder beidseitige Veränderungen. Je ausgedehnter die Schädigung, um so wahrscheinlicher zeigt sich auch als Folge eine Bewegungsstörung, meist eine Spastik. Bei schweren Fällen kommen auch geistige Behinderungen vor. Mit Diplegie oder Diparese bezeichnet man eine spastische Bewegungsstörung, die nur oder überwiegend die Beine betrifft. Die Diagnose PVL wird in der ersten Zeit sonographisch (mit Ultraschall) gestellt. Nach Abschluß der Hirnreifung, am Ende des 2. Lebensjahres kann in Zweifelsfällen auch eine MRT= Kernspinuntersuchung eine genaue Darstellung ergeben. Vorsicht, Bildgebung und Klinik stimmen nicht immer überein. Ein schlimmes Bild kann mit einer milden Symptomatik einhergehen oder umgekehrt. Daher sollte man am Anfang aus dem Bild keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Es kommt vielmehr ganz auf die Entwicklung des Kindes an. Auf jeden Fall sollte bei der klinischen Diagnose Diplegie zur Förderung und Behandlung regelmäßig Krankengymnastik durchgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihren Sohn
Ihre Dr. Rauterberg-R


RE: Periventrikuläre Leukomalazie
 


von Beyer, Grit am 4.Aug.2002 21:36

Sehr geehrte Frau Rautenberg, Sehr geehrter Dr. Doederlein,

in der nachstationären Besprechung wurde uns mitgeteilt, dass bei unserem Sohn die extracerebralen Liquorräume bis max. 10mm erweiter sind (Man sprach von mäßiger bis geringgradiger Atrophie). Die Seitenventrikel sind beidseits im Bereich der Vorderhörner erweitert und zipfelartig begrenzt. Die Cystenbildung hatten Sie mir ja schon erklärt. Eine Rechtsbetonung ist festgestellt worden. Stammganglien, Marklager und Hirnrinde sind o.B. Leider haben wir erst später eine Verlaufskontrolle im SPZ und können erst dann weiterfragen. Bitte seien Sie so nett und ordnen Sie dieses Chaos für mich Nicht-Mediziner. Können Sie aus diesen Informationen eine Aussage ableiten, wie stark die Schädigung ist?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen und hoffentlich bis bald.

MfG. Beyer

RE: Periventrikuläre Leukomalazie
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruland, Universitäts-Kinderklinik Heidelberg am 8.Aug.2002 14:46

Sehr geehrte Frau Beyer,
tatsächlich haben wir Ihre nochmalige Rückfrage zum Thema PVL übersehen und bitten um Nachsicht. Ich kann Ihnen wieder nur „grundsätzlich“ antworten, aus dem geschilderten Befund bei Ihrem Sohn aber keine individuelle Prognose stellen.
Die Rechtsbetonung der Erweiterung der Seitenventrikel sollte sie besonders aufmerksam machen auf eine Störung im Bereich der linken Körperhälfte.
Die Erweiterung der äußeren Liquorräume ist tatsächlich mild und es ergibt sich daraus kein Handlunsbedarf. Im Zusammenhang mit der PVL muß man ursächlich eine leichte Atrophie = Schrumpfung des Gehirns annehmen. Erweiterte äußere Liquorräume kommen aber auch bei reifgeborenen Kindern ohne Komplikationen in der Neugeborenenzeit vor. Sie sehen, es ist nicht leicht, alle Fragen eindeutig zu beantworten. Wichtig ist das weitere regelmäßige Kopfwachstum als Maß für das Gehirnwachstum und die Entwicklung des Kindes.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Dr.I.Rauterberg-R

RE: Periventrikuläre Leukomalazie
 


von Dr. med. L. Doederlein am 25.Jul.2002 11:05

Sehr geehrte Frau Beyer,

unter einer periventriculären Leukomalazie versteht man eine Schädigung tiefer gelegener Hirnzentren, die vor allem zu einer Störung des Haltungs- und Bewegungssystems führen. Diese Diagnose sagt natürlich nichts über die motorische Prognose Ihres Sohnes aus, diese wird sich durch weitere Kontrollen dann mit den nächsten Entwicklungsjahren herauskristallisieren.

Prinzipiell bedeutet die Diagnose aber, dass Ihr Sohn regelmäßige krankengymnastische Behandlung, möglichst auf neurophysiologischer Grundlage ergänzt durch Ergotherapie erhalten sollte.

Mit freundlichen Grüssen bin ich Ihr
Dr. med. Döderlein

Cerebralparese+Impfungen
 


von Sabine Mohring am 18.Feb.2003 14:50

ich bin Jahrgang 1971 mit Cerebralparese. Aus aktuellem Anlass hoffe ich, daß mir im Forum vielleicht jemand weiterhelfen kann:
Ich wurde in einer Zeit geboren, in der Pockenimpfungen routinemäßig bei jedem Kind durchgeführt wurden.
Meine Mutter hat mir nun erzählt, daß sie für mich seinerzeit eine Impfbefreiung von der Pockenimpfung bekommen hat, weil die Impfung für Kinder mit Cerebralparese schädlich wäre.Genaueres konnte sie mir aber nicht sagen. Aus aktuellem Anlass habe ich nun versucht herauszufinden, warum die Pockenimpfung so gefährlich für mich sein soll. Meine Suche im Internet blieb jedoch erfolglos.
Wer weiß, wo ich eine derartige Auskunft bekommen kann? Die Homepage des Robert-Koch-Instituts gab hierzu nichts her.

Außerdem sollen auch andere Impfungen bei Leuten mit Cerebralparese nicht durchgeführt werden. Auch hierzu konnte ich nichts finden. Da ich meinen Impfschutz erneuern will, wäre ich auch für Infos dankbar, die mir sagen, welche Impfungen ich aufgrund der Cerebralparese vermeiden sollte!
Vielen Dank schon mal im voraus!!!

RE: Cerebralparese+Impfungen
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruland, Universit?s-Kinderklinik Heidelberg am 19.Feb.2003 16:03

Sehr geehrte Frau Mohring,
es konnte in der Vergangenheit statistisch einwandfrei gezeigt werden, daßPat. mit cerebralen Vorschädigungen, dazu gehört auch die Krankheitsgruppe der Cerebralparesen, ein deutlich höheres Risiko für das Auftreten einer Impfencephalopathie haben. Deshalb hat man bei bekannter Vorschädigung auf eine Impfung verzichtet. Das Risiko nimmt mit zunehmendem Alter des Imfplings zu, sodaß es für Erwachsene höher ist, als für junge Kinder.Bei Erwachsenen würde man selbst bei früherer Impfung auf jeden Fall eine Vorimpfung vornehmen. Informationen dazu beim Gesundheitsamt.
Gegen die übrigen gängigen Impfungen bestehen keine Bedenken oder Einschränkungen. Wir empfehlen sie auch bei cerebral vorgeschädigten Kindern, weil die Erkrankung mit dem Wildvirus (zB. Masern) gefährlicher sein kann als die extrem seltene Impfenzephalitis. Bezüglich Impfungen gegen exotische Krankheiten habe ich keine genaue Information. Es wäre möglich bei Tropeninstituten anzufragen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr.I.Rauterberg-R

infantile Cerebralparese
 


von Rickert Jennifer am 10.Dec.2003 19:57

Hallo

Ich bin der Vater von Jennifer, sie ist 3,5 Jahre alt und leidet seit ihrer Geburt an Infatiler Cerebralparese mit beinbetonter Tetraspastik.
Jennifer war ein Frühchen die in der 32. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt wurde. Sie muß wohl schon damals an Gehirnblutungen gelitten haben.Wir waren bei jeder Untersuchung und die Krankheit wurde auch schnell diagnostiziert doch nichts außer Krankengymnastik wurde verschrieben.
Jetzt wurde bei jennifer mit einer Botox-Therapie begonnen aber nur die Spritzen alleine werden doch wohl auch nicht helfen.
Jetzt waren wir wieder beim Kinderarzt der hat uns nach einem Orthopäden überwiesen, dieser wiederum möchte das Jennifer in die Rheintalklinik überwiesen wird obwohl er ihr Schuhe verschreiben sollte. Bei diesem ganzen durcheinander wissen meine Frau und ich bald nicht mehr was überhaupt noch richtig oder falsch ist.Bei Jennifer wurde außerdem noch Epilepsie festgestellt weswegen sie regelmäßig Tabletten nehmen muß.
Meine Frage ist jetzt wie können wir Jennifer am besten helfen bzw. was machen wir richtig?
Danke für ihre Antwort.

MfG Dirk Rickert

RE: infantile Cerebralparese
 


von Dr. med. I. Rauterberg-Ruhland am 15.Dec.2003 09:48

Sehr geehrter Herr Rickert,

Ihre Tochter Jennifer hat, wie Sie sagen infolge der Unreife des Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt eine Gehirnblutung erlitten und infolge dessen eine infantile Cerebralparese mit beinbetonter Tetraspastik entwickelt. Leider sind die Blutung und die daraus folgende Bewegungs-und Entwicklungsstörung bei Frühgeborenen auch immer noch ein Risiko. Um die Entwicklung des Kindes bestmöglich zu fördern, ist von Anfang an Krankengymnastik und oft auch pädagogische Frühförderung und Ergotherapie erforderlich.

Die Botox-Therapie kann für einige Monate die erhöhte Muskelspannung lockern. Dadurch kommt die Krankengymnastik besser zur Wirkung und orthopädische Operationen können aufgeschoben oder ganz vermieden werden. Die Spritzen können aber nicht die Koordination verbessern oder den Hirnschaden heilen.
Auf jeden Fall ist eine kinderorthopädische regelmäßige Mitbetreuung, auch zur Hilfsmittelversorgung nötig. Die Epilepsie wird in Jennifers Fall ja offenbar mit Medikamenten behandelt. Eine stationäre Aufnahme ist aus meiner Sicht nicht erforderlich, es sei denn, die Behandlung der Epilepsie wäre ambulant nicht zufriedenstellend möglich, oder andere Probleme ließen sich ambulant nicht klären. Mit jetzt 3,5 Jahren ist Jennifer ja wahrscheinlich im Kindergarten. Die Betreuung und Behandlung von körperbehinderten oder mehrfachbehinderten Kindern wird am besten in einem entsprechenden Sonder-oder Schulkindergarten gewährleistet. Dort können auch Therapien durchgeführt werden, und die Eltern werden bezüglich der späteren Einschulung beraten. Wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt oder das nächstgelegene Frühförderzentrum.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Dr. I. Rauterberg-Ruland

RE: infantile Cerebralparese
 


von Dr. med. Döderlein am 23.Dec.2003 11:20

Sehr geehrter Herr Rickert,

prinzipiell benötigt Jennifer nach dem mitgeteilten Befund eine regelmäßige kinderärztliche und orthopädische Versorgung. Die kinderärztliche Versorgung umfaßt die Behandlung des Anfallsleidens und die Versorgung einschließlich allgemeiner Förderungsmaßnahmen. Die orthopädische Versorgung dient dazu, die Folge der sogenannten spastischen Muskelaktivierungen so gering als möglich zu halten, dies zusammen mit regelmäßiger Krankengymnastik.

Botulinumtoxin ist notwendig,um die Muskulatur weiterhin dehnbar zu halten und die Gefahr von Muskelverkürzungen und Gelenkluxationen insbesondere im Hüft- und Fußgelenk zu verhindern.

Ich würde Sie bitten, dass Sie sich heimatnah um eine entsprechende Versorgung bemühen. Grundsätzlich ist eine ambulante Behandlung in der Rheintal Klinik Bad Krozingen bei Herrn Lohse Busch aber durchaus auch zu befürworten.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. med. Döderlein