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# Markus (2), Jahrgang '75, spastische Diparese

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Durch intensives sportliches Training auch langfristig körperlich fit mit ICP

Ein Erfahrungsbericht von Markus Land, Jahrgang '75, spast. Diparese

Ich darf mich zunächst einmal vorstellen, mein Name ist Markus Land, ich bin geboren am 22.10.1975 und arbeite z. Zeit als Verwaltungsfachangestellter in der Kommunalverwaltung in Bitburg (Eifel).

Ich wurde mit ICP geboren, wobei die Spastik durch Sauerstoffmangel während der Geburt entstanden ist (Frühgeburt im 7. Schwangerschaftsmonat). Die Spastik wurde nach Auskunft meiner Eltern ca. ein halbes Jahr nach meiner Geburt festgestellt. Danach folgten regelmäßige krankengymnastische Übungen, die unter großem Zeitaufwand, nach Anleitung durch eine Krankengymnastin zuhause mehr oder weniger regelmäßig weitergeführt wurden. Die erste OP fand 1980 in Quierschied bei Saarbrücken statt. Hier wurden die Achillessehnen und die Kniebeuger verlängert, so das nun ein durchstrecken der Knie vollständig möglich war.

 

Mein Gangbild war allerdings immer noch sehr scheppernd, und ich schwankte sehr stark mit dem Oberkörper hin und her. Es wurde weiterhin Krankengymnastik durchgeführt und ich versuchte auch im Schulsport, soweit es mir nur möglich war, alle Übungen mitzumachen und meinen Möglichkeiten entsprechend mitzuhalten.

 

Die nächste OP folgte dann 1987 mit 12 Jahren in der Orthopädischen Klinik Rummelsberg bei Nürnberg. Diese OP war im nachhinein gesehen die vom Ablauf her härteste OP. Dort wurden nochmals die Knie- und Hüftbeuger sowie die Adduktoren verlängert. Ich lag sechs Wochen mitten im Sommer in einem Streckgibs bis zum Bauchnabel. Als der Gips dann abgenommen wurde, war die Beinmuskulatur fast völlig verschwunden. Ich musste mit jedem Schritt neu laufen lernen und mir alles völlig neu erarbeiten.  Dennoch war es damals ein großer OP-Erfolg und mein Gangbild verbesserte sich stark. Ich konnte auch meinen sportlichen Hobbys wie Radfahren und Schwimmen nachgehen, was sicherlich zur Verbesserung der Spastik stark beigetragen hat.

 

Nach Beendigung meiner Ausbildung und einigen Jahren Berufstätigkeit wurde ich jedoch immer unzufriedener mit der Situation meiner Behinderung und wollte unbedingt noch mal eine Verbesserung erzielen. Nachdem mir einige Orthopäden sagten, dass es für mich derzeit keine weitere OP-Möglichkeit gäbe, gab man mir dennoch die Adresse der Heidelberger Orthopädie, wo ich mich dann 1998 im Ganglabor vorstellte. Hier wurde dann nach der durchgeführten Ganganalyse festgestellt, dass doch noch eine erhebliche Verbesserung des Gangbildes unter anderem durch einen „Rectus-Muskel-Transfer“ beidseits und einer Zehenkorrektur beider Füße möglich war. Nach jahrelanger Fehlstellung der Füße hatten sich die Zehen übereinander gelegt, was aber operativ sehr gut gelöst wurde, so dass ich jetzt wieder „schöne“ gerade Zehen habe. Danach folgte noch eine Reha-Maßnahme in Bad-Orb in Hessen in der ich sechs Wochen Zeit hatte, mich auf die Verbesserung meines Gangbildes zu konzentieren. Dennoch muss ich auch heute noch sagen, dass langsames, optisch perfektes Gehen immer noch eine harte Konzentrationsaufgabe für mich ist und über einen ganzen Tag kaum durchzuhalten ist.

 

Nach 1,5 Jahren Wartezeit bekam ich dann endlich meinen OP-Termin für den 22.11.1999. Ich wurde von Dr. L. Döderlein operiert und hatte plötzlich noch einige Narben mehr an den Füßen, da auch dort einige Sehnen verändert werden mussten, was sich wohl aber erst während der OP herausstellte.

 

Insgesamt muss ich sagen, dass ich in der damaligen Station 9 sehr gut aufgenommen wurde, und mich dort wohl gefühlt habe – wenn man davon bei einem Krankenhausaufenthalt sprechen kann. Auch meine Physiotherapeutin habe ich in guter Erinnerung. Die Rehabilitationsphase in Heidelberg war einfach eine tolle Zeit, denn eigentlich hatte ich selbst nicht mehr an eine mögliche Verbesserung geglaubt. Wobei ich allerdings auch sagen muss, dass ich selbst sehr motiviert war. Wann es mir nur möglich war, habe ich trainiert, um möglichst viel für mich selbst aus dieser Operation herauszuholen. Denn auch das muss ich hier noch mal ganz deutlich sagen: Der eigne Wille, eine Verbesserung zu erreichen ist mindestens genauso wichtig, wie die Operation selbst. Wer in der Zeit danach nicht richtig trainiert und regelmäßig Physiotherapie macht, verschenkt den OP-Erfolg. Geschenkt gibt es hier keinen Millimeter! Regelmäßiges Training bzw. Physiotherapie sind und bleiben für mich selbstverständlich – man sollte einfach irgendwann Spaß am Sport entwickeln….

Für mich bestand der OP-Erfolg darin die Füße besser abrollen zu können und dabei vom Oberkörper her aufrechter und schwankungsärmer laufen zu können. Ich war zudem nach der Operation um einige Zentimeter größer...

Im Jahr 2001 folgte dann die Metallentfernung der kleinen Metallplatten die bei der Zehen-OP  über dem Grundgelenk eingesetzt worden sind, die auch völlig problemlos verlaufen ist, man freute sich fast auf ein Wiedersehen mit dem Heidelberger Team….

Ich kann jedem Betroffenen nur raten sich nicht aufzugeben, an sich zu glauben und für seine Ziele zu kämpfen und sich einzusetzen: Der Wille kann Berge versetzen. Aber gerade Spastiker sollten sich nur in einer ausgewiesenen Spezialklinik wie der Heidelberger Uni-Klinik operieren lassen, denn nur hier gibt es die wirklichen Spezialisten, denen man vertrauen haben kann. Seit diesem Frühjahr habe ich als neuestes Hobby, das Laufen bei Volksläufen entdeckt: Bei Läufen zwischen 5 – 8 km sind für mich durchaus gute Zeiten um die 28 min. möglich.

Auch das gibt einen unheimlichen Schub für das Selbstvertrauen und macht einfach tierisch Spaß – in einer guten Gruppe natürlich noch mehr – aber sehen sie doch selbst, was auch mit ICP für Leistungen möglich sind….nur Mut!

Markus Land, im August 2004